Mittwoch, 21. September 2005, 18:30–20:00 Uwe Makino: „Comfort Women – Zwangsprostitution im Kaiserlich Japanischen Militär 1932-1945“

Jûgun-ianfu können wir wörtlich übersetzen als „Trostfrauen, die der Truppe folgen“. Ein Trugbild zwischen Geisha und Florence Nightingale wird mit diesem offiziösen japanischen Begriff evoziert. Wer war verantwortlich für dieses System der Zwangsprostitution? Waren es rein „private Unternehmer“, die den japanischen Soldaten (ebenfalls als „Privatpersonen“) an allen Fronten ihre einschlägigen Dienste anboten? Und wie kamen die Frauen und z.T. noch minderjährigen Mädchen in die „Service-Stationen“ (Bordelle)? Aus welchen Ländern kamen diese Frauen? Wie viele Frauen und Mädchen waren betroffen?

Wie wurden sie bezahlt, wenn überhaupt? Welche Überlebenschancen hatten sie, welchen Gefahren waren sie ausgesetzt? Welche Funktionen erfüllte diese Form der Prostitution aus Sicht des Militärs? Was wissen wir über Kompetenzen und Dienstwege? Wie könnte eine angemessene juristische Würdigung aussehen? Nord-Korea hat in diesem Zusammenhang immerhin von „Genozid“ gesprochen.

Der Vortrag wird viele Fragen aufwerfen und auch (hoffentlich) einiges zur Klärung beitragen. Manches muß freilich aus Zeitgründen ausgeblendet und könnte in der Diskussion angesprochen werden: die „lokale Kollaboration“, die Zusammenarbeit zwischen Bürokratie und japanischen Zuhältern, der internationale Vergleich (2.Weltkrieg in Europa, Lager, aber auch rape camps in Bosnien) und die innerjapanischen Kontroversen um Schulbücher und die Beziehungen zu den asiatischen Nachbarn. Ein weites Feld…

Uwe Makino kommt ursprünglich von der Literaturwissenschaft und beschäftigt sich seit über 20 Jahren epochen- und disziplinübergreifend mit Verfolgungsthemen und Makroverbrechen: Pogrome, Humanitätsverbrechen, Kriegsverbrechen, Genozid. Publikationen u.a. zur Leugnung von Genozid und zum Nanking-Massaker. Leitmotive, die sich im Zuge dieser Forschungsbemühungen herausgeschält haben, wären die Beschreibung des Organisationsgrades und die Frage nach der Vergleichbarkeit. Seit einigen Jahren vornehmlich über das Mittelalter forschend (Kreuzzüge, Pestzeit). Lebt und lehrt seit 1990 in Japan.

Buchvorstellung

Im Anschluß an den Vortrag stellen wir Ihnen die neueste OAG-Publikation vor, in der es um die Problematik der karayuki-san, der im Ausland als Prostitutierte arbeitenden Japanerinnen zu Beginn des 20. Jh geht. Nur an diesem Abend können Sie das Buch auch zu einem Vorzugspreis (wird am Abend bekanntgegeben) erwerben.

Yamazaki Tomoko:
Sandakan Bordell Nr. 8. Ein verdrängtes Kapitel japanischer Frauengeschichte.
Aus dem Japanischen übersetzt von Yukiko Sumoto-Schwan und Friedrich B. Schwan
München: iudicium 2005

Sandakan Bordell Nr. 8 Ein verdrängtes Kapitel japanischer Frauengeschichte