Mittwoch, 19. Januar 2005, 18:30–20:00 Junko Andō: „Die Diskussion um die weibliche Thronfolge in Japan. Geschichte und Gegenwart“

Obwohl die japanische Verfassung (1946) lediglich die Erblichkeit der Thronfolge festlegt (Art.2), beschränkt das kaiserliche Hausgesetz (1947) in Art. 1 die Thronfolge patrilineal auf einen Nachkommen männlichen Geschlechts. Es handelt sich dabei um eine inhaltliche Übernahme des Art. 2 der Meiji-Verfassung, der die weibliche Thronfolge für die Zukunft ausschloß, obwohl in der japanischen Geschichte acht weibliche Tennō nachzuweisen sind.

Im Rahmen der Verfassungsgebung hat es bereits in der Meiji-Zeit eine lebhafte Diskussion um die Zulassung weiblicher Thronfolger gegeben. Viele Argumente, die damals für und gegen eine weibliche Thronfolge vorgebracht wurden, sind heute wiederzufinden. Nach einem historischen Überblick über die Thronfolgeregelung in Japan werde ich in meinem Vortrag den aktuellen Diskussionsstand zusammenfassen und auf die Frage eingehen, welche Folgen die Zulassung der weiblichen Thronfolge auf die Tradition des Kaiserhauses haben wird.

Junko Andō, Dr. phil. Studium der Geschichte und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit 1987 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ostasien-Institut/Lehrstuhl Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität. Seit Mai 2001 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Japanstudien.