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Sonntag, 11. September 2005, 15:00–18:30 Musik-Seminar: „Einblicke in die japanische Musik – mit Meistern der traditionellen Künste“ 4. Abend: Gagaku 2: Shō
Nach dem erfolgreichen Abend zum Thema Gagaku mit dem Instrument Hichiriki als Schwerpunkt wird sich die 4. Veranstaltung der Veranstaltungsreihe „Einblicke in die japanische Musik“ wiederholt mit dem Thema Gagaku beschäftigen, diesmal vor allem mit dem Instrument Shō, einer über 1000 Jahre alten Mundorgel. Neben der langsamen Melodie der orchestralen Gagakumusik, ist das endlose Akkordband der nach Mundharmonika klingenden Shō eins der exotischsten Merkmale dieser uralten, vor allem am Kaiserhof gepflegten „eleganten“ Musik. Während in der sogenannten klassischen Musik Europas die Akkorde einen Zusammenhalt geben, bzw. der Melodie, den Linien ein harmonisches Gerüst, haben die tontraubenartigen Klänge der Shō in der Gagakumusik anscheinend mit der Melodie nichts zu tun und helfen auch nicht bei ihrem Verständnis. Das ohne Pause tönende Akkordband der Shō klingt sowohl zu den anderen Instrumenten, als auch in sich dissonant und zieht sich wie ein Wurm durch das ganze Stück. Für Hörer, die mit europäischer traditioneller, der sogenannten „klassischen“ Musik aufgewachsen sind, erinnert dies weniger an Musik, als an das sommerliche Getöse der Zikaden und anderer Insekten.
Der deutsche Komponist Peter Gahn, der auch diesen Abend bestreiten wird und in seinem achtjährigen Aufenthalt in Japan u.a. Unterricht im Gagakuinstrument Hichiriki und im Ensemblespiel an der Tokyo National University of Fine Arts und Music erhielt, wird in seinem Vortrag auch für musikalische Laien leicht verständlich u.a. neue Konzepte von Zusammenklängen erläutern, und demonstrieren, welches eine Alternative zu bekannten Konzepten der klassischen traditionellen europäischen Musik aufzeigt, und damit bisher unbekannte Hörgenüsse und Hörabenteuer möglich macht. Beispiele wie der Bordun im Mittelalter oder Werke Debussys werden angespielt und zeigen Verwandtschaften der Gagakumusik zu europäischer Musik. Selbst bei Mozart eröffnen sich neue Hörweisen auf musikalische Gedanken, die man bis jetzt vielleicht weniger wahrnahm.
Eines der besonderen Kennzeichen der Gagakumusik ist der durch die Shō erzeugte flächige Hintergrund. Beispiele aus der bildenden Kunst Japans und Europas zeigen ähnliches in anderen Formen und verdeutlichen die musikalischen Gedanken, die bei der Gestaltung so eines Hintergrundes ausschlaggebend sind.
Das Instrument Shō ist ein direkter Nachfolger des chinesischen Sheng, das in China etwa 2.700 Jahre vor Christus zum ersten Mal erwähnt wird, und somit unter anderem ein naher Verwandter der Zungenpfeifen der Orgel, der Harmonica und des Akkordeons. Trotz der klanglichen Nähe zu diesen Instrumenten ist sein Bau, sind seine instrumentalen Möglichkeiten und seine Spielweise völlig verschieden von diesen und übt auf zeitgenössischen Komponisten wie z.B. John Cage oder Helmut Lachenmann eine große Faszination aus. Wieso dies so ist und wie z.B. seine sehr zeremonielle Art, Akkorde zu verbinden funktioniert, wird im Detail vorgestellt.
Die Gagakuspielerin Asumi Bunno kommt aus einer Familie, die seit 1000 Jahren das Amt des Shōspielers im kaiserlichen Gagakuorchester innehat. Sie spielt in mehreren Ensembles traditionelle und zeitgenössische Musik. Sie wird den Vortrag durch kleine musikalische Kostproben unterstützen und anschließend Fragen der Teilnehmer beantworten.
Die Akkordeonistin Eva Zöllner wird kurz von ihrer Arbeit mit dem traditionellen Gagakurepertoire auf dem Akkordeon berichten.
Wann? Sonntag, den 11. September 2005, 15.00 bis 18.30 Uhr
Wo? Raum 207, 2. Stock des OAG-Hauses
Wieviel? Mitglieder Nicht-Mitglieder Studenten
Vorverkauf 1.000 Yen 1.500 Yen 800 Yen
Abendkasse 1.500 Yen 2.000 Yen 1.000 Yen
Im Anschluß findet ab 17.00 Uhr ein Gesprächskonzert mit dem Titel „FLAT/TIMES – Auf der Suche nach neuen Zeitformen“ statt. Junge Musiker aus Japan und Deutschland spielen neue Musik von japanischen und deutschen Komponisten:
Eva Zöllner, Akkordeon,
Junichiro Taku, Flöte,
Tomoki Tai, Violoncello und
Rie Watanabe, Schlagzeug
spielen:
Peter Gahn: „ink, colours and gold on paper II“ für Akkordeon, Flöte, Violoncello und Schlagzeug
Hideaki Haginomori : „Ballet acrylic“ für Flöte und Marimba
Gordon Kampe : „Aldrin-Music 2“ für Flöte und Akkordeon
Yuka Shibuya : „FLAT/TIME“ für Flöte, kleine Trommel und Violoncello
Yasuko Yui : Neues Werk für Akkordeon und Schlagzeug
Ein Großteil der Werke der zeitgenössischen Musik befindet sich in weiten Teilen noch in der Ästhetik der Romantik bzw. spielt damit, opponiert dagegen usw. Auf der Suche nach einer neuen Ästhetik, die nichts mit den egozentrischen Entwürfen/Ideologien der letzen Jahrhunderte in Europa zu tun hat, entstehen sowohl in Japan, als auch in Deutschland Werke, die viele Analogien zu einer älteren Vergangenheit haben: Der Musik und Kunst des Mittelalters/der Renaissance in Europa und die Kunst und Musik Japans zwischen Nara- und Edozeit. Das ihr Konzept von „Flat“ so gut wie nichts mit dem Begriff „superflat“, der von dem international zur Zeit sehr beliebten Maler Takashi Murakami geprägt wurde, zu tun hat, werden die Komponisten nicht nur anhand ihrer Werke hören lassen, sondern auch in kurzen Erklärungen (zum großen Teil in Japanisch) erläutern.


