Vorträge
Mittwoch, 11. Oktober 2006, 18:30–20:00 Prof. Dr. György Széll: „China auf dem Weg zur führenden Weltmacht?“
China ist in aller Munde. Und es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis China den Rest der Welt dominiert. So lautet der Titel des neuesten Buchs des Chinakenners Konrad Seitz: „China – Rückkehr einer Weltmacht“. Demgegenüber vertrete ich folgende These: „China wird weder im Jahre 2020 noch danach zur führenden Weltmacht aufsteigen – aus dem einfachen Grund, weil es bereits heute keine führende Weltmacht mehr gibt und auch in Zukunft nicht mehr geben wird.“
Weltmächte haben eine Mission: den Glauben, eine „mission civilisatrice“, „White man’s burden“, Demokratie, Kommunismus, Marktwirtschaft etc. China hatte eine Mission unter Mao DzeDong. Jedoch heute? Chinas rasanter Aufstieg zu einer der führenden Wirtschaftsmächte – (die Bundesrepublik, die drittgrößte Nationalökonomie, wird gemessen am BIP wohl nächstes Jahr überholt werden werden) – verbunden mit seiner Rolle als ständiges Mitglied des Weltsicherheitsrats führt dazu, daß es zunehmend als Bedrohung, insbesondere seitens der USA und Japans, betrachtet wird.
Die Debatte in China knüpft demgegenüber daran an, daß China vor der Intervention europäischer Mächte anläßlich des Opiumkrieges etwa 25 % des Weltsozialprodukts erwirtschaftete und damit die führende Wirtschaft gewesen sei, und dieser „normale“ Zustand jetzt nur wieder erreicht würde. Dabei stellen sich jedoch eine Reihe von Fragen: Welche Auswirkungen hat diese Aufholjagd erstens auf das globale Gleichgewicht in Politik und Wirtschaft, zweitens auf die innere politische, soziale, wirtschaftliche Struktur sowie die Kultur?
Der Vortrag endet mit einem provokanten Zukunftsszenario 2020.
Prof. Dr. György Széll ist Direktor der Forschungsstelle Japan in Osnabrück und lehrt dort Soziologie.









