Mittwoch, 31. Mai 2006, 18:30–20:00 Peter Backhaus: „Japans neue Mehrsprachigkeit – Beobachtungen zu geschriebener Sprache im öffentlichen Raum“

Ist Japan ein mehrsprachiges Land? Nein, würde man sagen, wenn man bedenkt, daß die japanische Gesellschaft traditionell gern als monolinguales Musterbeispiel angeführt wird. Japanisch zu sein war in Japan lange Zeit gleichbedeutend damit, Japanisch zu sprechen. Diese Sichtweise, die bereits in den letzten Jahren immer öfter in Frage gestellt worden ist, wird durch die voraussehbaren demographischen Entwicklungen des Landes erheblich unter Zugzwang geraten. Glaubt man Schätzungen der Vereinten Nationen, so wird Japan bis 2050 über 30 Millionen Menschen nicht-japanischer Herkunft ins Land holen müssen, um einer drastischen Verringerung der arbeitenden Bevölkerung entgegenzuwirken.

Japan ist also auf dem besten Wege, Züge einer mehrsprachigen Gesellschaft anzunehmen. Der sichtbarste Indikator für diese Entwicklung ist die Fülle von Sprachen und Schriften auf Schildern im öffentlichen Raum. Abgesehen vom Englischen, das nahezu allgegenwärtig ist, sieht man da in letzter Zeit auch eine nicht geringe Zahl chinesischer und koreanischer Schilder sowie eine Reihe weiterer Sprachen, die ganz offensichtlich in Japan in Gebrauch sind. Ausgehend von den Ergebnissen einer empirischen Untersuchung zu mehrsprachigen Schildern im Zentrum Tokios wird der Vortrag einige Hypothesen zu Japans neuer Mehrsprachigkeit formulieren.

Besondere Beachtung wird dabei der Frage nach den Produzenten und den Rezipienten mehrsprachiger Schilder geschenkt, sowie der diachronischen Entwicklung von geschriebener Sprache im öffentlichen Raum als solcher.

Peter Backhaus studierte Linguistik und Japanologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Magister) und der Universität Duisburg-Essen (Promotion). Er ist seit September 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Japanstudien.

Sprachenschild
Japans neue Mehrsprachigkeit