Freitag, 31. März 2006, 10:00 - Samstag, 1. April 2006, 19:00 Film-Kolloquium: „Nachkriegszeit im Film: Deutschland und Japan 1945 – 1955″

Film, insbesondere Spielfilm, zielt auf Unterhaltung. Dabei ist er aber transparent für die politische, soziale, kulturelle, ja emotionale Lage einer Gesellschaft zur Zeit seiner Entstehung. Unter diesem Aspekt wird Film zur wichtigen Quelle für Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften. Allerdings führt die Beschäftigung mit Film, wie z.B. historische Filmanalyse und Film-erziehung, in diesen Wissenschaften und den entsprechenden Unterrichtsfächern an Universitäten bzw. Schulen in Deutschland und Japan ein Schattendasein. Demgegenüber wird de facto Geschichtswissen in Deutschland zunehmend über Medien wie Film und Fernsehen vermittelt, so daß der Fachhistoriker „von der Woge des diffusen und massenhaften Geschichtsinteresses überrollt wird“ (Rolf Schörken).

Dieses Filmkolloquium verfolgt zwei Ziele: Unterhaltung, insbesondere für Filmliebhaber und darüber hinaus Information, insbesondere auch für Vermittler politischer Bildung. Der Reiz des Themas „Nachkriegszeit im Film: Deutschland und Japan 1945 – 1955“ liegt u.a. in folgenden Fragestellungen: Welche Probleme kennzeichnen die Nachkriegsgesellschaften in Deutschland und Japan? Welche Strategien der Bewältigung von Problemen und Krisen entwickeln diese Gesellschaften nach der traumatischen Erfahrung der größten nationalen Katastrophe ihrer Geschichte? Welche Bewältigungsstrategien zeigt der Film ? Gibt es Unterschiede und Ähnlichkeiten bei den beiden Verlierer-nationen des Zweiten Weltkriegs? Schließlich allgemein: Welche film-spezifischen Mittel fördern die Vermittlung der Botschaft des jeweiligen Films? Ferner spiegelt das Thema das in Deutschland rasant wachsende Interesse der Öffentlichkeit an der Nachkriegszeit, insbesondere der „Epochenzäsur“ (Hans-Peter Schwarz) der 50er Jahre. Einer der vielen Indikatoren dieses Phänomens ist zum Beispiel der große Erfolg des Films „Das Wunder von Bern“ (2003), der vom Gewinn der Fußballweltmeisterschaft durch die Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland 1954 handelt.

Referenten

Dr. Wolf Behschnitt, Professor für Osteuropäische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen, Gastprofessor an der Dokkyo-Universität 2004/2005

Kyōko Hirano, Ph.D, Filmbeauftragte der Japan Society New York (1986 – 2004), Gastdozenturen an Universitäten in den Vereinigten Staaten und Japan, Veröffentlichungen über den japanischen Film

Dr. Masaru Okumura, Waseda-Universität (Tokyo), Nihon-Universität (Tokyo), Kawasaki City Museum; Veröffentlichungen zum Thema „Film“ in verschiedenen Ländern

Dr. Donald Richie, Japan Times, Temple University (Tokyo), Publikationen über zahlreiche Bereiche der japanischen Kultur, insbesondere den japanischen Film

Dr. Takeo Sato, Professor für deutsche Geschichte an der Takushoku-Universität

Dr. Kensuke Shiba, Professor für deutsche Geschichte an der Tokyo Women’s Christian University

Programm

Freitag, 31. März 2006
10.00 – 10.30 Wolf Behschnitt: Eröffnung und Einführung
10.30 – 12.30 Wolf Behschnitt: Der deutsche Heimatfilm – Beispiel: „Grün ist die Heide“ (1951), Vortrag und Filmvorführung
12.30 – 12.45 Diskussion
12.45 – 14.00 Mittagspause
14.00 – 16.00 Masuru Okumura: The Representation of the Atomic Bomb in the Japanese Anti-War Film. Vortrag und Vorführung von „Genbaku no ko“ (Das Kind der Atombombe, 1952)
16.00 – 16.15 Diskussion
16.15 – 16.45 Kaffeepause
16.45 – 17.45 Donald Richie: Ozu As „Heimatfilm“ Director (mit Filmausschnitten)
17.45 – 18.00 Diskussion

Samstag, 1. April 2006
10.00 – 10.15 Wolf Behschnitt: Einführung
10.15 – 12.15 Takeo Sato: Die Anfänge des deutschen Nachkriegsfilms – Beispiel: In jenen Tagen (1947). Vortrag und Filmvorführung
12.15 – 12.30 Diskussion
12.30 – 13.30 Mittagspause
13.30 – 15.00 Kyōko Hirano: The US Occupation Censorship Policy on the Japanese Cinema 1945 – 1952 (mit Filmausschnitten)
15.00 – 15.15 Diskussion
15.15 – 15.45 Kaffeepause
15.45 – 17.45 Kensuke Shiba: Der erste deutsche Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“ (1946). Trümmerfilme und Historiographie. Vortrag und Filmvorführung
17.45 – 18.15 Diskussion über „Die Mörder sind unter uns“ und Abschlußdiskussion

Im Programm können sich Zeitverschiebungen der Beiträge ergeben.
Bitte beachten Sie, daß einige der Beiträge in englischer Sprache gehalten werden.

Genbaku no ko 1952
„Genbaku no ko“ (Das Kind der Atombombe, 1952)
Die Mörder sind unter uns 1946
„Die Mörder sind unter uns“ (1946)