Mittwoch, 11. April 2018, 06:45–10:00 Besichtigung des Blumenmarktes von Ōta ‒ Japans zentralem Großhandelsmarkt für Blumenauktionen

Am 14. Februar dieses Jahres konnten wir anlässlich eines Vortrags von Frau Prof. Dr. Verena Blechinger-Talcott schon ein bisschen in die Welt des globalen Blumenhandels schnuppern. Am 11. April wollen wir in medias res gehen.

Dass Blumen im japanischen Alltag eine ganz andere Rolle spielen als beispielsweise in Deutschland, ist sicher kein Geheimnis ‒ wie auch die Tatsache, dass Blumen in Japan fast unerschwinglich teuer erscheinen. Obendrein sind, wie bei Gemüse, Obst und anderen Lebensmitteln, die Qualitätsstandards auch bei Blumen extrem hoch. Makellosigkeit ist hier in erster Linie gefragt.

Auf dem japanischen Blumenmarkt „tummeln“ sich ungefähr 40.000 verschiedene Sorten – und jährlich kommen zwei- bis dreitausend neue hinzu. Japan werden die besten Verfahren zur Entwicklung neuer Blumenvariationen nachgesagt. Gleichzeitig ist die jahreszeitliche Einbindung von Blumen in das tägliche Leben praktisch ein Muss. Seit mehr als tausend Jahren hat Japan seinen ganz besonderen Umgang mit Blumen kultiviert – seinen Höhepunkt findet dieser Umstand nicht zuletzt in der hohen Kunst des Blumensteckens, des Ikebana.

Außerdem ist Japan selbst einer der großen Blumenproduzenten der Welt. Man zählt allein ca. 60.000 Familien, die sich mit der Aufzucht von Blumen beschäftigen ‒ meist auf winzigen Blumenfeldern. Damit sind viele Betriebe, zumindest global betrachtet, nicht konkurrenzfähig. So ist es nicht verwunderlich, dass die noch vor wenigen Jahrzehnten im einstelligen Prozentbereich „dümpelnde“ Importquote längst auf über 25 % gestiegen ist. Damit ist Japan der drittgrößte Importeur – nach den USA und der €päischen Union.

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Der Blumenmarkt, ganz im Südosten auf einer der vielen künstlichen Inseln in der Bucht von Tokyo im Stadtteil Ōta gelegen, ist der größte des Landes und, nach den beiden Blumenmärkten in Holland, der drittgrößte der Welt. Er ist, was die Logistik rund um die Blumen anbelangt, ganz bestimmt nicht der modernste, aber die Auktionen, die hier in den frühen Morgenstunden durchgeführt werden, finden in einer Atmosphäre statt, die den Unbedarften doch eher an das Kontrollzentrum in Cape Canaveral erinnern dürften, als an den Handel mit einer der schönsten Gaben, die die Natur für uns hervorbringt.

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In der Auktionshalle, oben
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In der Auktionshalle, unten.
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Logistik

Wir werden uns bei unserer Exkursion fachkundig führen lassen ‒ einer der maßgeblichen Förderer der Internationalisierung des japanischen Blumenmarktes, Herr Leo Kittenberger (Flore 21), wird uns den Markt erklären. Aber wir kommen auch mit den Handelsakteuren zusammen.

Leo Kittenberger kam 1985 nach Japan, wo er zunächst ein Jahr lang ein Blumengeschäft betrieb. Von 1986 bis 2008 arbeitete er für eine Importfirma. Im August 2008 engagierte ihn die Flower Auction Japan (FAJ) zum Auf- und Ausbau des Blumenimports. Seit 2016 ist Herr Kittenberger im Ruhestand, den er aber aktiv nutzt, um seinen ehemaligen Kunden weiterhin beim Import von Blumen nach Japan behilflich zu sein.

Voraussichtlicher Ablauf:
Um 6:45 Uhr Treffen am Bahnhof und gemeinsamer Gang zur Markthalle.
Ab ca. 7:00 Uhr Kurze Einführung in den Blumenmarkt und seine Abläufe; Beobachten der Schnittblumen-Auktion; weitere Erklärungen zur Logistik, zur Stellung des Marktes im nationalen und internationalen Rahmen und zu künftigen Entwicklungen. Gespräch mit einem Vertreter des Marktes und mit Prof. Dr. Verena Blechinger-Talcott (FU Berlin; siehe auch ihren OAG-Vortrag über den Blumenmarkt am 14.2.)

Ab ca. 9:00 Uhr Gang über den Markt; Besuch einzelner Blumengroßhändler; evtl. Möglichkeit, Blumen preiswert zu kaufen.

Die Erklärungen sind weitgehend auf Deutsch, falls sie auf Japanisch gegeben werden und es Verständnisschwierigkeiten gibt, werden sie ins Deutsche gedolmetscht.

Die Teilnehmerzahl ist auf 12 Personen begrenzt. Sollte es mehr Anmeldungen als
verfügbare Plätze geben, werden OAG-Mitglieder bevorzugt.

Eine genauere Beschreibung des Marktes finden Sie auch auf dem Blog unseres Vorstandsmitgliedes Thomas Gittel.