OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 25. April 2018, 18:30-20:00 UhrDr. Andreas Becker: „Yasujirō Ozu und die Bildwelten des westlichen Films“

Ozu_Karte4
© Die Reise nach Tokyo II, Nanaé Suzuki, 2015

Der japanische Regisseur Yasujirō Ozu (1903–1963) gilt gemeinhin als der „japanischste der japanischen Filmemacher“, wie es der Filmhistoriker Donald Richie einmal auf eine Formel brachte. Mein Vortrag möchte demgegenüber die andere Seite thematisieren: Ozu als ein dem westlichen Film aufgeschlossener Filmemacher, der schon in den 1930er Jahren Kollegen wie Harold Lloyd und Ernst Lubitsch zitierte und dessen Schaffen als eine ständige Auseinandersetzung mit westlichen Darstellungscodes (freilich aus Sicht der japanischen Kulturwelt heraus) zu verstehen ist. Ein japanischer Regisseur also, der den westlichen Film nicht als Gegensatz verstand, sondern als stete Inspirationsquelle zu rezipieren wusste.

Der Vortrag ordnet Ozus Filme exemplarisch in die globalen Bildwelten ein, die das amerikanische, russische und das europäische Kino schufen. Der Vortrag konkretisiert dies insbesondere an zwei Beispielen: dem Film Tokyo no onna (Woman of Tokyo, 1933) und Ozus Klassiker Tokyo monogatari (Tokyo Story, 1953). Es entstehen zahlreiche Bezugslinien, Valenzen und Resonanzen, wenn westliche Narrative und ästhetische Formen aufgegriffen und anverwandelt werden.

Andreas Becker, Dr. phil., seit April 2016 Assistant Professor an der Keiō-Universität Tokyo/Faculty of Letters. Studium an der Philipps-Universität Marburg; Promotion am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt a. M.; Postdoc im Graduiertenkolleg „Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung“; von 2007 bis 2014 wiss. Mitarbeiter am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität; von 2014 bis 2016 Eigene Stelle als Leiter des DFG-Projekts Yasujirō Ozu und der westliche Film. Arbeitsgebiete: Japanischer und westlicher Film, Zeitdarstellung im Film, komparative Ästhetik und Phänomenologie des Films. Aktuelle Veröffentlichung: Yasujirō Ozu und die Ästhetik seiner Zeit, Marburg 2018 (Hrsg.), Erzählen in einer anderen Dimension. Zeitdehnung und Zeitraffung im Spielfilm, Darmstadt 2012; Körperinszenierungen im japanischen Film (hrsg. zus. mit Kayo Adachi-Rabe), Darmstadt 2016. Projekthomepage: www.ozu-projekt.de.
Private Homepage: www.zeitrafferfilm.de.