Mittwoch, 14. Dezember 2005, 19:30–21:00 Donald Richie: „Der Einfluß des deutschen Expressionismus auf den japanischen Film – Ein kurzer Überblick“

Der deutsche Expressionismus, ein Stil, der ungefähr 1911 entstand, wurde bald weltweit zu einer künstlerischen Bewegung. Er erreichte Japan über die Bühne (die expressionistischen Dramen von Strindberg, Ernst Toller und Franz Wede-kind) und über das Kino – (vor allem über den Film „Das Kabinett des Dr. Caligari“). In seiner Reaktion gegen den Realismus stimmte der Expressio-nismus gut mit dem japanischen ästhetischen Geschmack überein, da Realismus niemals ein künstlerisches Ziel gewesen war. Demzufolge wurde er sofort als ein volkstümlicher Stil in Japan akzeptiert, während er in anderen Ländern als avant-garde angesehen wurde. In Japan wurde der expressionistische Stil zu einer neuen Art, traditionelle Werte darzustellen. Unter Filmen, die im expressionistischen Stil gedreht wurden, gab es Kinugasas „Kurutta no Ippeiji“ („Eine Buchseite des Wahnsinns“). Dieser expressionistische Einfluß ist in Japan weiterhin verwandt worden und beeinflußt spätere Filme, z.B. Kurusawas „Ikiru“.

Dieser Vortrag basiert auf einem Essay im Katalog für die Ausstellung „Berlin/Tokyo: Tokyo/Berlin“, welche ab Januar 2006 im „Mori Art Museum“ stattfinden wird.

Bitte beachten Sie, daß Vortrag wie anschließende Diskussion in englischer Sprache gehalten werden!

Donald Richie, geboren 1924 in Ohio, USA, diente während des Zweiten Weltkriegs in der amerikanischen Marine und ging 1947 nach Japan, wo er Filmkritiker für die Zeitschrift „Pacific Stars und Stripes“ war. Nach Ende der amerikanischen Besatzung (und nach seinem Studienabschluß an der Columbia-Universität 1949-1953) kehrte er als Filmkritiker der „Japan Times“ nach Japan zurück. In den folgenden Jahren schrieb er eine Anzahl von Büchern, u.a. „The Films of Akira Kurosawa“ (1965); „Ozu“ (1974) und „One Hundred Years of Japanese Film“ (2002). Weiterhin schrieb er viele Bücher über das Land, in dem er über fünfzig Jahre gelebt hat; u.a. „The Inland Sea“ (1971); „Public People, Private People“ (1991) und „The Honorable Visitors“ (1997). Sein neuestes Werk ist „The Japan Journals: 1947-2004“. Von 1968 bis 1973 war er Filmkurator beim „New Museum of Modern Art“ und ist z.Z. Kunstkritiker für die „Japan Times“.

Das Kabinett des Dr. Caligari 1920
Das Kabinett des Dr. Caligari (D 1920)