Mittwoch, 25. Januar 2006, 18:30–20:00 Kolloquium: „Dialektik, Text, Dramaturgie – Paradigmenwechsel im Tokyo-Diskurs am Beispiel von Isoda Kōichi, Maeda Ai und Yoshimi Shun’y“

In der Wissenschaft erfreuen sich die Begriffe des „Paradigmenwechsels“ und des „turns“ außerordentlicher Beliebtheit. Auch wenn diese recht inflationär gebraucht werden, so lassen sich doch in den wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Tokyo in Japan tatsächlich Verschiebungen und Brüche in dem Blick auf den Gegenstand erkennen, von denen der „linguistic turn“ in den 70er Jahren einen besonders nachhaltigen Einfluß ausübte. In diesem Vortrag soll anhand weniger, wenn auch prominenter Beispiele untersucht werden, wie sich die Perspektive auf „Tokyo“ in der Zeit von den 60er Jahren bis zum Ende der 80er verschob.

Im Mittelpunkt sollen die Arbeiten Shisō toshite no Tokyo – kindai bungakushiron nōto („Tokyo als Idee – Notizen für eine Abhandlung zur Literaturgeschichte der Moderne“, Isoda 1990) des Denkers und Literaturkritikers Isoda Kōichi (1931-87), und Toshi no duramatorugī – Tokyo – sakariba no shakaishi (1987) von Yoshimi Shun’ya (*1957), („Die Dramaturgie der Stadt – Tokyo und die Sozialgeschichte der Orte, an denen etwas los ist“). Weiter soll noch ein kurzer Blick auf die Arbeiten von Maeda Ai (1932–87) geworfen werden, dessen strukturalistisches Konzept der „Stadt als Text“ zeitlich zwischen der literatursoziologischen, dialektischen Studie von Isoda und der einem performativen Ansatz verpflichteten Arbeit von Yoshimi anzusiedeln ist.

Dieser Vortrag war ursprünglich für das Tokyo-Symposium vorgesehen, konnte dort aber aus Zeitgründen nicht gehalten werden und soll deshalb im Rahmen des Kolloquiums noch mal zur Diskussion gestellt werden.

Prof. Dr. Reinold Ophüls-Kashima, geb. 1959 in Castrop-Rauxel, studierte 1981-88 die Fächerkombination Sprache und Literatur Japans, Neugermanistik und Altgermanistik an der Ruhr-Universität Bochum. Titel der 1995 eingereichten Dissertation: „Literaturkritik und Literaturtheorie zwischen Dialektik und Differenz. Zur postmodernen Wende Yoshimoto Takaakis“. Veröffentlicht unter dem Titel „Yoshimoto Takaaki ­– ein Kritiker zwischen Dialektik und Differenz“ (1998). Zahlreiche Aufsätze, Besprechungen und Lexikonartikel; auf Deutsch zur japanischen Literatur (Shimada Masahiko, Yoshimoto Banana etc.), zu japanischen Kritikern, Kollektivsymbolik in Japan, „Japanismus“, Diskursanalyse in Deutschland, Fußball u.a.
1991 bis 1996 Wissenschaftlicher Mitarbeiters an der FU Berlin (Japanologie); 1997 bis 2002 Lektor für Deutsch an der Tokyo University of Agriculture and Technology; seit 2002 Assistant Professor an der Abteilung für Deutsche Sprache der Sophia-Universität in Tokyo.

Shisō toshite no Tokyo –kindai bungakushiron nōto
Shisō toshite no Tokyo – kindai bungakushiron nōto