Mittwoch, 8. Februar 2006, 18:30–20:00 Alfons Deeken: „Sterben, Tod und Trauer in Japan“

Die Einstellungen der Japaner zu Sterben, Tod und Trauer hat sich im zwanzigsten Jahrhundert tiefgreifend verändert. Man kann drei Perioden unterscheiden. Zuerst die Glorifizierung des Sterbens für Kaiser und Vaterland während des Zweiten Weltkriegs. Dann die lange Zeit der Tabuisierung des Todes von 1945 bis 1986. Drittens die Periode der wachsenden Hospizbewegung, charakterisiert durch ein neu erwachtes Interesse an Sterbeerziehung, an Verbesserung der Betreuung unheilbarer Krebskranker und an Trauerberatung von 1986 bis zur Gegenwart.

Eine wichtige Rolle für den Wandel von Tabuisierung zur Thematisierung des Todes spielte die „Japanische Gesellschaft für Sterbeerzeihung und Trauerberatung“, die 1982 von Prof. Deeken gegründet und bis 2002 von ihm geleitet wurde. Diese Gesellschaft hat Filialen in 50 japanischen Städten und über 6000 Mitglieder.

Bei der Konfrontation mit Sterben Tod und Trauer überwiegen Ähnlichkeiten in Japan und Deutschland. Es gibt aber auch einige typische Phänomene in Japan, die es in gleichem Maße in Deutschland nicht geben dürfte. Erstens das Beten um einen plötzlichen Tod in dafür spezialisierten buddhistischen Tempeln. Zweitens die rapid steigende Suizidrate. Drittens das Phänomen des „Karōshi“, des Todes durch Überarbeitung.

Dr. Alfons Deeken ist Professor für Philosophie und lehrte von 1973 bis 2002 an der Sophia-Universität in Tokyo Philosophie des Todes. In japanischer Sprache hat er 27 Bücher über verschiedene Aspekte der Thanatologie veröffentlicht. Einige seiner Bücher sind vom Japanischen ins Chinesische und Koreanische übersetzt worden. 1991 wurde Prof. Deeken mit dem Kikuchi-Kan-Literaturpreis ausgezeichnet. 1998 erhielt er das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1999 wurde ihm der Kulturpreis der Stadt Tokyo verliehen.