OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Samstag, 2. Februar 2019, 14:00-17:00 UhrHeide Imai: „Yokohamas Koganechō – vom Obdachlosen- und Rotlichtviertel zur Kunststadt“

In dieser Exkursion werden wir Koganechō in Yokohama und die benachbarten Gebiete Noge und Hinodechō besuchen, um die räumliche und soziale Transformation des Bezirks zu ergründen. Die Nachbarschaft hat in den letzten 20 Jahren große Veränderungen durchgemacht, vor allem hinsichtlich der Nutzung lokaler Räume. Das ehemals eher heruntergekommene Viertel, in dem vor allem Obdachlose, Prostituierte und Tagelöhner zu finden waren, hat sich inzwischen zu einem attraktiven Viertel für Künstler, Hipster und allerlei Alternative entwickelt.

Kogane Artist Studios
Kogane Artist Studios

Yokohama hat seit 1995 eine kreative Stadtpolitik betrieben, um den städtischen Raum mit Hilfe von diversen visionären Projekten aufzubessern. Die in Koganechō und Umgebung realisierten Kunstprojekte haben den städtischen, öffentlichen und privaten Raum verändert, was Prozesse wie Gentrifizierung, soziale Umstrukturierung und Wandel im Gemeinschaftsgefühl zur Folge hatte. Besonders die Initiative Koganechō Bazaar hat während der letzten Jahre internationale Künstler mit seinem jährlichen Artist-in-Residence-Programm angezogen, und damit das Rotlichtviertel unter der Keikyū-Linie in einen neuen Hotspot verwandelt, in dem am Wochenende gepaddelt, geloungt und flaniert wird.

Bisherige Forschungsergebnisse zeigen dabei, dass nicht nur Alteingesessene sich immer weniger mit „dem Neuem“ und „den Neuen“ identifizieren können. Die Stadt Yokohama treibt dennoch weiterhin hauptsächlich Initiativen voran, die Kunst – wie z.B. die Yokohama Triennale oder das Zō-no-hana-Terrace-Art-Centre – als zentrales Revitalisierungs- und Modernisierungsinstrument nutzen, herruntergekommene Orte und das Image der gesamten Stadt aufzuwerten.

Während unserer Exkursion werden wir diesen Ort, der einen Wandel vom „Un-ort zum „In-Ort“ durchgemacht hat, besuchen, Anekdoten hören, Gespräche und Ideen mit Anwohnern und Künstlern austauschen und Fragen zur Zukunft des Ort stellen, um zu erkunden, wie verschiedene Modernisierungprozesse einen Ort beeinflussen, verändern und verschwinden lassen. Karten mit allen Details werden vor Ort bereitgestellt. Leitung: Heide Imai

Koganecho im Wandel
Koganecho im Wandel

Dr. Heide Imai, seit 2013 Assistentprofessorin an der Hōsei Universität, Faculty of Global Interdisciplinary Studies (GIS) und Research Associate an der Keio Universität. Studium der Architektur, Kulturwissenschaften und Urbanen Soziologie in Leipzig, Rotterdam, Oxford und Manchester, ist Architektin, Autorin von Tokyo Roji: The Diversity and Versatility of Alleyways in a City in Transition, Routledge, 2017) und beschäftigt sich vor allem mit lokalen Raumnetzwerken in Städten in Japan, Korea und Ostasien, die als zentrale Orte der Spannungen zwischen den Kulturen der Elite und der Straße, zwischen „high“ und „low“, zwischen Revitalisierung und Verfall, Kreativität und Nachhaltigkeit und zwischen Politik und Unterhaltung betrachten werden können. Ein neues Buch zum Thema Yokohama Tag für Tag mit dem Titel Everday Yokohama – Homelessness, Art and the Contested City wird 2019 im Verlag Routledge erscheinen.

Geplanter Ablauf
14.00 Uhr

16.30 Uhr
Ende des Rundgangs: Koganechō Bahnhof
Wer die Tour hier beenden möchte, kann von diesem Bahnhof bequem zurückfahren. Die anderen laufen von von hier aus in ca. 15 Minuten bis zur Izakaya Noge Yokochō Alley

17.00 Uhr
Einladung zum Gespräch: Izakaya Noge Yokochō Alley,
Reservierung vorgesehen, ab 17 Uhr möglich
http://noge-yokocho.jp/

Diese Tour soll den Teilnehmern einen ersten Überblick über das Viertel geben – wir werden deshalb nicht in jedes Studio oder Geschäft gehen und uns dort in Ruhe umsehen können, sondern vieles nur von außen betrachten. Je nach Wetterlage und Außentemperatur besteht jedoch die Möglichkeit, sich zwischendurch in einem der vielen Cafés zu stärken oder aufzuwärmen. Ab 17 Uhr wollen wir die Tour dann gemütlich in einem Izakaya ausklingen lassen, wo wir uns ausführlicher mit Frau Imai bwz. je nachdem, wie beschäftigt das Personal im Izakaya ist, auch mit diesem unterhalten können.

Die Teilnehmerzahl ist auf 12 Personen begrenzt. OAG-Teilnehmer werden bevorzugt. Bitte geben Sie an, ob Sie zum Abendessen bleiben möchten. Die Exkursion findet auch bei Regen statt.