Mittwoch, 21. Juni 2006, 18:30–20:00 Harald Kleinschmidt: „Ihr habt doch Kohle im Überfluß!“ – Freihandel, Völkerrecht und der Abschluß der ungleichen Verträge um die Mitte des 19. Jahrhunderts

Es ist ruhig geworden um die Verträge, die das Bakufu mit verschiedenen Regierungen in den USA und Europa zwischen 1854 und 1869 abschloß. Dabei böten sich seit 2004 in jedem Jahr allenthalben 150-Jahrfeiern als Anlässe zu Gedenkveranstaltungen, Ausstellungen und ähnlichen Ausprägungen von Memorialkultur. Es scheint, als würden die Verträge verschämt versteckt wie Sünden der Vergangenheit. In der Tat offenbaren die Verträge, wenn sie nur gelesen werden, wenig Ruhmreiches. Galten sie noch in den 1990er Jahren, zumindest in den USA und in Europa, als Instrumente zur angeblichen „Öffnung“ Japans für den Welthandel und manch anderes, so werden sie heute in die Nähe des europäischen Kolonialismus gerückt. Der kategoriale Unterschied, der einst zwischen Kolonialismus und Freihandel einerseits sowie zwischen Kolonialismus und Völkerrecht andererseits gesetzt wurde, schwindet mit zunehmender Zeitdauer dahin. Was bleibt, ist Unbehagen über die oktroyierten Freihandelsregeln, die erzwungene Integration in das europäisch dominierte Welthandelssystem, die Ausübung diplomatischen Drucks und wirtschaftlicher Macht sowie die Durchsetzung des europäischen völkerrecht-lichen Vertragsrechts als System der Normen für die Gestaltung der inter-nationalen Beziehungen. Manche europäische Regierung hielt sich zudem damals gegenüber Japan die koloniale Option ausdrücklich oder hinter vorgehaltener Hand offen.

Der Vortrag soll die Vertragstexte vorstellen und im Kontext von zeitgenössischen Theorien des Freihandels und des Völkerrechts interpretieren.

Harald Kleinschmidt, promoviert in Göttingen 1978 und habilitiert in Stuttgart 1985, lehrt seit 1989 Geschichte der internationalen Beziehungen an der Universität Tsukuba.

Ashikaga-Takauji-Jdo-ji Bakufu
Takauji Era of Bakufu