Mittwoch, 13. Dezember 2006, 18:30–20:00 Hans Günter Wachtmann: „Skulptur im alten Japan – eine kunsthistorische Nachlese”

Die „Nachlese“ thematisiert kunstgeschichtliche Aspekte im engeren Sinn; sie fragt, mit welchen Erwartungen die Anhänger der neuen Religion im 7. Jahrhundert den vom Festland inspirierten buddhistischen Skulpturen begegneten und welche Folgerungen sich daraus für die künstlerische Gestaltung ergaben. Das Stichwort „Standard“ gewinnt in diesem Zusammenhang eine außerordentliche Bedeutung. Mit ihm stellt sich die Frage nach dem gestalterischen Spielraum, den die Bildhauer der Asuka- und der Hakuhō-Periode nutzen konnten: wie gehen sie mit der im Kern statischen Ausgangsform um? Was entsteht, wenn ein großer Künstler am Werk ist? Äußert sich die Frömmigkeit eines Meisters im Bildwerk?

Um 700 ereignet sich formgeschichtlich ein tiefgreifender Wandel: Die bisherige Konzeption auf der Grundlage eines von außen erfaßten blockhaften Kerns wird von einem neuen Gefühl für den menschlichen Körper abgelöst. Nach der altertümlich anmutenden säulenhaften Geschlossenheit des 7. Jahrhunderts wird jetzt die menschliche Gestalt als Basis der Statuen empfunden. Es beginnt das „Goldene Zeitalter“ der japanischen Skulptur des 8. Jahrhunderts. Bleiben die Standards erhalten? Dieser Frage wird mit Impressionen aus sechshundert Jahren nachgegangen. Und genauer wird gefragt: Was ändert sich bis zum 13. Jahrhundert im Erscheinungsbild, was im Gehalt? Die Betrachtung folgt den Stufen der überweltlichen buddhistischen Hierarchie, beginnend mit der Ebene der höheren Wesenheiten, danach schließt sich die der Götter, die der Bodhisattvas und die der Buddhas an.

Die „Nachlese“ kann die Fragen und diversen Probleme, die sie aufwirft, nur streifen; sie gleicht gewissermaßen einem Gang durch eine imaginäre Ausstellung, bei dem Themen berührt werden, die Stoff in Fülle bieten.

Hans Günter Wachtmann – Skulptur im alten Japan. Von den Anfängen bis zum 13. Jahrhundert {6.8.2026}
Hans Günter Wachtmann – Skulptur im alten Japan. Von den Anfängen bis zum 13. Jahrhundert

iudicium.de/katalog/588-X

Der Autor war bis 1994 als Oberkustos am Von der Heydt-Museum Wuppertal tätig und veröffentlichte im Jahre 2000 die Tempelmonographie „Daisen-in, Ein Zen-Tempel des 16. Jahrhunderts in Kyoto“ mit Photographien von Ingrid von Kruse.

Im Anschluss an den Vortrag laden wir Sie herzlich zu einem Umtrunk ein. Dann besteht auch die Möglichkeit, das besprochene Buch für einen Vorzugspreis zu erwerben. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.