OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 13. Juni 2012, 18:30-20:00 UhrVortrag von Dr. Barbara Holthus: „Eheliches Glück und Unglück: Eine Diskursanalyse japanischer Frauenzeitschriften“

Eheliches Glück und Unglück: Eine Diskursanalyse japanischer Frauenzeitschriften

Seit Beginn der 1970er Jahre hat sich in Japan das Heiratsverhalten stark verändert: die Zahl der Eheschließungen sinkt stetig und das Heiratsalter steigt an. Insgesamt gibt es eine Zahl von Standarderklärungen im akademischen Diskurs, wie es um die Ehe und Meinungen zur Ehe in Japan steht. Jedoch sind die Gründe für das veränderte Eheverhalten und die Meinungen zur Ehe weder monokausal noch ausschöpfend ergründet. Viele Studien sehen diese Veränderungen hauptsächlich von Frauen initiiert.
Interviews, Umfragen und ethnographische Feldforschung zählen in der Wissenschaft zu den üblichen Methoden, um die Vorstellungen von Frauen bezüglich Ehe und Mutterschaft zu verstehen. Weitgehend ausgespart wurde bisher jedoch die Analyse von Medien, die sich – wie zum Beispiel Frauenzeitschriften – explizit an ein weibliches Publikum wenden und als Sozialisationsinstanzen für ihre Leserschaft agieren. Diese Forschungslücke wird hier anhand einer qualitativen und quantitativen Inhaltsanalyse von Ehediskursen in Frauenzeitschriften geschlossen. Die untersuchten Themenkomplexe sind „Männer“, „Liebe“, „Sexualität“ sowie „Heirat, Ehe, Scheidung“. Die Frage, wie sich die Konstruktionen von ehelichem Glück und Unglück und die Einstellungen bezüglich des Timings von Ehe und Mutterschaft in den Jahrzehnten seit 1970 verändert, soll in dem Vortrag vorrangig beantwortet werden.
Frauenzeitschriften vermitteln dabei einen hervorragenden Eindruck in die sich wandelnden Genderkonstruktionen und Wertvorstellungen. Die Auswertung bestätigt die Heterogenität und Komplexität der Inhalte der Frauenzeitschriften und zeigt, dass Frauenzeitschriften keineswegs, wie so häufig angenommen, „Verdummungsinstrumente“ sind, die allein der Ankurbelung des Konsums dienen.

Dr. Barbara Holthus ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Japanstudien Tokyo und forscht zu den Themen niedrige Geburtenrate, Kinderbetreuung, Work-Life Balance, elterliches Wohlbefinden, Ehe, Familie, und Medien. Autorin von Paarbeziehungen in japanischen Frauenzeitschriften seit 1970: Medien und Geschlecht in Japan (Lewiston, NY: The Edwin Mellen Press, 2009).