Mittwoch, 24. Juni 2026, 18:30–20:00 Merle Kartscher: „Japans Kolonistinnen: Die Rolle japanischer Frauenorganisationen in Korea und Taiwan (1895‒1945)“

Dieser Vortrag untersucht anhand des Beispiels der Aikoku Fujinkai (, Vereinigung Patriotischer Frauen), welche Rollen Frauenorganisationen und ihre Mitglieder in den Kolonien des japanischen Kaiserreichs einnahmen.

Bereits von Beginn der kolonialen Expansion in den 1890er Jahren an siedelten japanische Frauen in großer Zahl nach Taiwan und Korea über. Ab 1943 war fast die Hälfte der japanischen Bevölkerung in Korea und Taiwan weiblich. Trotzdem weist die geschichtliche Forschung über die Aktivitäten und Lebenswelten dieser Frauen noch große Lücken auf. Frauen werden immer noch meist als Opfer, Zuschauerinnen oder allenfalls als passive Profiteurinnen des japanischen Imperialismus dargestellt. Ein Blick auf Organisationen wie die Aikoku Fujinkai zeigt jedoch, dass sich japanische und kolonisierte Frauen durchaus Handlungsräume innerhalb des Kolonialsystems schufen und aktiv für ihre Zwecke nutzen.

Aikoku Fujinkai, 1938
Frauengruppe der Aikoku Fujinkai in Nagasaki, 1938

Wie auch in vielen anderen Teilen der Welt sprossen in Japan im späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert eine Vielfalt an Frauenorganisationen aus dem Boden. Eine der ältesten und größten unter ihnen war die Aikoku Fujinkai. Gegründet im Jahr 1901 von Okumura Ioko () zur Unterstützung der Kaiserlichen Armee durch Spenden und Hilfsgüter, eröffnete sie bald darauf Zweigstellen im kolonisierten Taiwan und Korea und begann nicht nur japanische, sondern auch taiwanesische und koreanische Frauen als Mitglieder zu rekrutieren. Vor Ort widmete sich die Aikoku Fujinkai weiterhin der Spenden- und Hilfsarbeit für Soldaten und deren Familien, weitete ihre Arbeit allerdings auch auf Sozialhilfe, Bildung und Gesundheitsversorgung insbesondere für Frauen und Kinder aus.

Auf Grundlage dessen diskutiert dieser Vortrag folgende Fragen: Wie kann man die Implementierung und Auswirkungen derartiger Projekte im kolonialen Kontext interpretieren? Und welches Selbstverständnis als Akteurinnen innerhalb des japanischen Kolonialreichs vertraten die Frauen der Aikoku Fujinkai?

Merle Kartscher promoviert an der Harvard-Universität in moderner ostasiatischer Geschichte. Zu ihren Forschungsinteressen zählen die transnationale Geschichte des japanischen Kaiserreichs, die kulturellen und gesellschaftlichen Dimensionen des japanischen Imperialismus und Kolonialismus in Ostasien sowie die intellektuellen und sozialen Projekte von Frauen in diesem Kontext. In ihrer Dissertation untersucht sie die Beteiligung von Frauen am japanischen Kolonialprojekt anhand ihrer Mitgliedschaft in Frauenorganisationen in Taiwan, Korea und China. Derzeit ist sie Stipendiatin am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ) in Tokyo und widmet sich der Archivforschung.

SOMMERZEIT!!

Zeit: 18.30-20.00 Uhr (Japan), 11.30-13.00 Uhr (MESZ)
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