Montag, 16. Oktober 2023, 18:30–20:00 Mahito Ohgo: „Der junge Siebold im Jahr 1823. Reise nach Ost-Asien und weiter nach Japan“

Der Vorstand der Siebold Wissenschaftlichen Stiftung Würzburg, Herr Wolfgang Klein- Langner, schickte folgende Übertragung der Abschrift eines Briefes, den Philipp Franz von Siebold am 18. Februar 1823 aus Batavia an seine Mutter und seinen Oheim Dr. Franz Lotz in Würzburg schrieb. Die Abschrift wurde von Prof. Wolfgang Michel, Fukuoka, angefertigt. Orthographie und Interpunktion wurden beibehalten. Anlässlich des 200jährigen Jubiläums von Siebolds Ankunft in Japan wird der Brief hier vorgestellt.

Batavia am 18. Febr. 1823

Theuerste Mutter, Teuerster Oheim,
Nach überstandenen vielen Gefahren und großem Ungemach zur See bin ich endlich am 12ten d: M: glücklich auf der Rhede von Batavia angekommen. Sturm im höchsten Grade, Wind und Wasserhosen, Seekrankheit habe ich deutlich kennen gelernt. Stillen und Hitze verschonten uns ziemlich, und damit ich von allem Elende der Seefahrt einen Begriff bekam, geriethen wir in der Straße Sunda, gerade die Rhede von Batavia im Auge, da wir soeben einem nach Holland segelnden Schiffe den Auftrag gaben, unsere glückliche Ankunft dort zu melden, auch noch auf eine Sandbank. Nur der ausdauernden Festigkeit unseres Schiffes, und der glücklich getroffenen Wendung hatten wir trotz der derben Stöße unsere Rettung zu danken. Bey allem dem war ich an Bord recht vergnügt und meine Zufriedenheit, und meine wiedererhaltene Gesundheit – denn ich war drey Wochen lang in der spanischen See sehr krank, und erduldete unbeschreibliches Elend durch die Seekrankheit – habe ich allein meinem herrlichen mit wahrer väterlichen Sorge und Liebe mich behandelnden See Kapitain J.H.Bonn zu verdanken. Mein ärztliches Glück verließ mich auch während meiner Reise durch fremde Zonen nicht. Ich hatte unter 142 Mann 52 Kranke und verlohr nicht einen Einzigen. Auch arbeitete ich thätig im Felde der Naturwissenschaft, besonders aber der vergleichenden Anatomie. Ich besitze Skeletten von den seltensten See Vögeln z.B: Diomedea chlororhinges, ein Vogel, dessen ausgebreitete Flügel 10 Fuß messen. Ferner von Phaeton velhorens, wo noch schwerlich ein Skelett in €pa ist. Kurz ich arbeitete unverdrossen, und ich habe mit meiner Reise mehr Seegeschöpfe gesammelt, als Riehl und Reinhard, welche mit so großem Aufwande von Holland aus als Naturforscher nach Indien reißten.

(Anm.: Diese Abschrift umfasst nur den Beginn des Briefes)

siebold_bild
Philipp Franz von Siebold als Student. Würzburger Stammbuchblatt vom 18.7.1815.
Siebold: zweiter von rechts in blauem Rock. Aquarell. Archiv des Corps Moenania in Würzburg

Der Vortragende wird über Siebolds Grund und Aufgabe seiner Weitereise nach Japan berichten.

Dies ist eine Veranstaltung in japanischer Sprache. Organisation: Mahito OHGO.