Vorträge
Mittwoch, 17. Januar 2007, 18:30–20:00 Franz-Josef Mohr S.J.: “Die japanischen Privatuniversitäten und ihre Finanzierung”
„Eine japanische Familie läßt es sich etwas kosten, ihren Kindern den Besuch einer renommierten Universität zu ermöglichen“. Damit sind zwei Problemkreise angesprochen; das japanische Schulwesen überhaupt, wie auch das der Finanzierung des Universitätsstudiums, insbesondere das an den Privatuniversitäten. Während im Westen seit Renaissance und Aufklärung Wissen um des Wissens willen Lernen, Lehre und Forschung bestimmten, zielt Japan in seiner Schulpolitik auf eine hochqualifizierte Ausbildung für den Dienst am Staat, dieser allerdings in einem sehr weiten Sinn verstanden. In Deutschland führte die „Freiheit von Wissenschaft und Forschung“ zur Forderung der „gleichen Startbedingungen für alle“, die zu einer Aufgabe des Staates gemacht wurden und den gebührenfreien Schul- und Universitätsbesuch begründetet.
In Japan blieb es bei dem elitären Ausleseprinzip, das vom Staat nur in dem von ihm als notwendig erachteten Masse finanziell mitgetragen wird. Dass und warum dem Privatschulwesen in Japan ein besonderes Gewicht zukommt und der Besuch einer renommierten Universität weitgehend die spätere soziale Stellung des Studenten bestimmt, wird als bekannt vorausgesetzt. Nach welchen Kriterien das Prestige der Privatuniversitäten beurteilt wird, braucht darum hier nicht zu interessieren. Dagegen müssen wohl zunächst die Größenverhältnisse des Schulsystems insgesamt aufgezeigt werden. Sodann aber ist es notwendig, die für dieses System geltenden Rechtsformen und –vorschriften zu skizzieren, die in wesentlichen Teilen von denen abweichen, die aus Industrie und Wirtschaft (oder auch von deutschen Universitäten her) bekannt sind. Ferner ist zu untersuchen, wie sich Kosten und Kostendeckung im Privatschulbereich zueinander verhalten. Dabei zeigt sich, welchen Anteil die Studiengebühren an der Kostendeckung haben, und was es sich eine japanische Familie tatsächlich kosten läßt, ihren Kindern den Besuch einer renommierten Universität zu ermöglichen.
Franz-Josef Mohr S.J.
Jahrgang 1928, 1948 Eintritt in die Gesellschaft Jesu, (Studien in England, Deutschland und Japan), in Japan 1953–1961 und seit 1970; 1955 Dozent, 1973 Ordentlicher Professor an der Sophia-Universität, Tokyo (Handelskorrespondenz Deutsche Erd- und Wirtschaftskunde). 1999 emeritiert; 1961–1970 Leiter der Verbindungsstelle der Sophia-Universität in Deutschland (Köln); 1971–2004 Vorstandsmitglied der Sophia-Schulkörperschaft (学校法人上智学院) für Finanzen- und Vermögensverwaltung.











