OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Samstag, 24. Oktober 2020, 10:15-15:30 UhrBesichtigung des Buaisō in Tsurukawa bei Machida und Spaziergang durch den Yakushi’ike-Park

Buaisō ist der Name eines bekannten alten Bauernhauses in der heutigen Stadt Machida in Tokyo, das sich das Ehepaar Shirasu Masako und Jirō 1941 als Wohnhaus einrichteten, als die politischen Ereignisse Versorgungsengpässe in Tokyo und Bombardierungen der Hauptstadt immer wahrscheinlicher machten. Mit buaisō (無愛想 geschrieben) wird im Japanischen eigentlich eine unfreundliche, wenig liebenswerte, abweisende Haltung bezeichnet. Das Ehepaar wählte aber bewusst gerade dieses Wort und verwendete stattdessen die Zeichen 武相荘 (eine in Japan beliebte Praxis, um mehrdeutige Begriffe zu kreiieren), in Anlehnung an die Namen der beiden Regionen, die hier zusammentreffen: Musashi 武蔵 und Sagami 相模 (武 wird auch bu, 相 auch ai gelesen). 荘 () steht für ein Anwesen oder größeres Haus im ländlichen Bereich.

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Shirasu Jirō (1902-1985) und seine Frau Masako (1910-1998) waren ein bekanntes Ehepaar, dessen spannendes Leben schon mehrfach verfilmt wurde und über das es unzählige Publikationen gibt. Beide stammen aus wohlhabenden, adligen Familien und studierten im Ausland (er von 1919 bis 1928 in Cambridge, sie von 1924 bis 28 an der Hartridge School in New Jersey). Jirō arbeitete nach seiner Rückkehr nach Japan zunächst als Journalist für eine englischsprachige Zeitung, dann als Unternehmer und schließlich nach dem Krieg als Berater des japanischen Premierministers Yoshida Shigeru und Bürokrat. Er war an der Erstellung der japanischen Nachkriegsverfassung beteiligt und bei den Friedensverhandlungen von San Francisco.

Masako, die seit ihrem fünften Lebensjahr Unterricht im Nō-Spiel nahm und auch auf der Bühne auftrat, ist vor allem als Verfasserin von Büchern und Essays über Nō-Theater, buddhistische Kunst und Wertschätzung der Ästhetik von Alltagsdingen bekannt. Im Wohnhaus gibt es im Einklang mit den Jahreszeiten wechselnde Ausstellungen von Töpferwaren, Gefäßen, Kimonos, Kalligraphien etc. aus der Sammlung vor allem von Masako und einige historische Fotos und Dokumente, die auf die Tätigkeit Jirōs bei den Friedensverhandlungen von San Francisco eingehen. Die Mischung aus ehemals adliger High Society, britischem Dandytum, einfachem Landleben und Wertschätzung (ostasiatischer) Kunst, die dieses Paar verkörpert, fasziniert immer noch viele Japaner.

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Der Yakushi’ike-Park gehört zu den 100 historischen Gärten Japans und fand 1982 Aufnahme in die Liste der 100 neuen Sehenswürdigkeiten Tokyos. Der See, der heute den Mittelpunkt des Parks bildet, wurde bereits 1590 als Wasserspeicher für die Landwirtschaft in der unmittelbaren Nähe fertiggestellt, versandete im Laufe der Jahrhunderte mehrmals bzw. wurde bei dem Ausbruch des Fuji 1707 verschüttet. Immer wieder legten ihn die Anwohner frei, da er für die Bewässerung der Felder unabdingbar war. Auch wenn wir jahreszeitlich bedingt vermutlich nicht viel Blühendes sehen werden (die Lotosblüte ist dann leider schon längst vorbei), so erwartet uns doch viel Grün, überraschende Ausblicke auf den See, ein kleiner botanischer Garten mit Pflanzen, die in der japanischen Literatur Erwähnung finden, zwei alte, reetgedeckte, gut erhaltene japanische Bauernhäuser und eine Wassermühle, die einen Eindruck von dem ländlichen Leben geben, das es bis in die Nachkriegszeit in dieser Gegend gab. Oberhalb des Parks liegt der Tempel Yakushidō, dessen Ursprung auf die Zeit von 729-749 zurückgeht. In seiner heutigen Form entstand er Meiji 16 (1883).

Für Pflanzenliebhaber bietet der Garten im frühen Frühjahr rund 250 Pflaumenbäume (ume), Ende März ca. 250 blühende Kirschbäume (sakura), Ende April verschiedene Glyzinien (fuji) an Pergolen mit einer Gesamtfläche von 400 m2, Mitte Juni rund 180 verschiedene Iris-Sorten (hanashōbu), zur Regenzeit Hortensien (ajisai), im Sommer ein 3.000 m2 großes „Feld“ von sog. Ōga-Lotus-Pflanzen, die aus Samen stammen, die der Botaniker Ōga bei Ausgrabungen in Kemigawa/Chiba gefunden hat und die rund 2.000 Jahre alt sein sollen. In den Wintermonaten blühen rund 1100 Kamelien-Sträucher (tsubaki) mit 400 verschiedene Sorten. Der Park ist zu allen Jahreszeiten sehenwert.

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Der Spaziergang ist nicht anstrengend, es gibt aber einige Treppen und Steigungen, so dass er für Gehbehinderte leider nicht geeignet ist. Es gibt ein einfaches Tee-Haus, in dem man Erfrischungen kaufen und mit Blick auf den See genießen kann.
Leitung: Maike Roeder

Wo?
Finaler Treffpunkt: Bahnhof Tsurukawa/Odakyū-Linie, von dort in etwa 20 Minuten zu Fuß zum Buaisō
Günstige Verbindung: ab Shinjuku um 9.43 Uhr, an Tsurukawa um 10.15 Uhr
Rückfahrt über den Nachbarbahnhof Machida.

Wieviel?
Fahrtkosten Shinjuku-Tsurukawa: 350 Yen; Eintritt Buaisō: 1.100 Yen;
Mittagessen im Restaurant/Café auf eigene Kosten (Mittagstisch für ca. 1.000 Yen);
Umlage der Taxifahrt von dort zum Park auf die Teilnehmer, Eintritt zum Park frei;
Busfahrt vom Park zum Bhf. Machida: 250 Yen; Machida-Shinjuku 380 Yen

(Leitung: Maike Roeder)

Bei Regen fällt die Veranstaltung aus und wird auf den 31.10. verschoben. Die Teilnehmerzahl ist auf 8 Personen beschränkt.