Workshops
Samstag, 18. Februar 2006, 13:00–16:00 Kalligraphie-Workshop zum Thema Licht
Was bedeutet „Kalligraphie“?
„Sho (Kalligraphie) ist die Kunst des Schreibens“, schreibt Ishikawa Kyūyō in seinem Buch Sho ni tsūzu („Sho verstehen“). Das Wort „Schreiben“ wird im Japanischen kaku gelesen und 書く geschrieben, also mit dem Zeichen, das auch sho gelesen werden kann. Das Wort kaku selbst, das auch mit anderen Zeichen geschrieben werden kann, bedeutet aber nicht nur Schreiben mit Schreibwerk-zeugen, sondern auch zum Beispiel kratzen (掻く), mit dem Messer Holz oder Stein schnitzen (缺く), malen und zeichnen (描く). Nach Ishikawa drückt sich die Tiefe dieses Begriffs auch darin aus, daß das Bestellen der Felder, also die Tätigkeit, die auch unserem Wort „Kultur“ zu Grunde liegt, ebenfalls ein kaku (掻く) der Erde ist. Ich glaube, daß man durch kaku bzw. dadurch, daß man mit dieser Tätigkeit eigene Werke hervorbringt, sich selbst ausdrücken und verwirklichen kann. Auch kann man dabei die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der europäischen und der asiatischen Kultur entdecken.
Der Begriff sho, der das Wort kaku auf das Schreiben mit Schreibwerkzeugen einschränkt, ist meiner Meinung nach eigentlich zu eng, um den modernen Begriff der Kalligraphie zu erfassen. Es geht bei der Kalligraphie um das kaku im weiteren Sinne, gleichgültig mit welchem chinesischen Zeichen es geschrieben wird. In diesem Workshop soll deshalb jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin selbst entscheiden, mit welchen Werkzeugen und mit welchem Material er/sie arbeiten möchte. Am Schluß des Workshops sollen die entstandenen Werke in der OAG ausgestellt werden.
Ich plane, diesen Workshop zweimal im Jahr durchzuführen, und jedesmal wollen wir uns ein Thema vornehmen, zu dem wir unsere Werke gestalten. Das Thema des ersten Workshops ist „Licht“ (hikari, ひかり, 光). Das Beispiel, das Sie auf der nächsten Seite sehen, sieht vielleicht wie eine ganz gewöhnliche traditionelle japanische Kalligraphie aus. Sie ist aber so aus meiner Vorstellung entstanden. Es kann gut sein, daß Sie ganz andere Vorstellungen verwirklichen wollen, vielleicht auf einem ganz anderen Material, vielleicht in Farbe, vielleicht nicht mit dem Pinsel, sondern mit ganz anderen Werkzeugen. Ich werde mich bemühen, Ihnen etwas von der Ästhetik des traditionellen japanischen kaku zu vermitteln. Hauptsächlich kommt es aber darauf an, daß Sie Ihre eigenen Vorstellungen einbringen und daß wir uns so gegenseitig anregen. Ich werde Ihnen also nicht vorschreiben, wie oder was Sie zu arbeiten haben. Bitte bringen Sie Ihr Material selbst mit.
Frau Machico Takagi-Gottschewski hat bereits im Alter von vier Jahren mit der traditionellen Kalligraphie begonnen und unterrichtet seit April 2005 dienstags Kalligraphie in der OAG.


