OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 17. Juni 2009, 18:30-20:00 UhrVortrag Dr. Stephanie Assmann: „Food Action Nippon und Slow Food Japan: Die Rolle zweier Initiativen in der Wiederentdeckung von Japans kulinarischem Erbe“

Food Action Nippon und Slow Food Japan

Das Thema Ernährung gewinnt in Japan an Bedeutung. Japan, ein rohstoffarmes Land, ist in hohem Maße von Lebensmittelimporten aus den Vereinigten Staaten, China und Australien abhängig und weist eine Selbstversorgungsrate von nur knapp 40 % auf. Zahlreiche Lebensmittelskandale, die teilweise auch Importprodukte involvierten, haben in den vergangenen Jahren Aufmerksamkeit erregt. So wurde 2008 der Vorfall importierter chinesischer Teigtaschen, die mit Pestiziden durchsetzt waren, bekannt. Zudem ist ein Wandel der Ernährungsgewohnheiten zu beobachten. Der Verzehr von Reis, Japans traditionellem Nahrungsmittel, hat zugunsten von Milch- und Weizenprodukten abgenommen.

Die niedrige Selbstversorgungsrate, Lebensmittelskandale und die Besorgnis über den Wandel der Ernährungsgewohnheiten japanischer Bürger haben Japans Regierung aktiv werden lassen. Im vergangenen Jahr rief das Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei die Initiative Food Action Nippon ins Leben, deren Ambition es ist, die Selbstversorgungsrate bis zum Jahre 2015 auf 45 % anzuheben. Im Mittelpunkt steht hierbei die Nutzung regionaler Argarprodukte, deren Anbau im Einklang mit den Jahreszeiten steht. Dieses Ziel verfolgt auch die NGO Slow Food Japan, die eng mit der 1986 in Italien gegründeten Mutterorganisation Slow Food kooperiert, und regionale Agrar-produkte, die eines besonderen Anbaus bedürfen oder in Vergessenheit geraten sind, vor dem Aussterben bewahren möchte.

Basierend auf Feldforschung in Tokyo und Miyagi steht ein Vergleich dieser beiden Organisationen, deren Entstehung zwar unterschiedlich ist, die aber ähnliche Ziele verfolgen, im Vordergund dieses Vortrags. Die Hinwendung zu regionalen Agrarprodukten, die von japanischen Verbrauchern mit höherer Qualität und Sicherheit assoziiert werden, weist jedoch auch auf die Rolle nationaler und regionaler Identität in der Wiederentdeckung von Japans kulinarischem Erbe hin.

Das Thema Ernährung gewinnt in Japan an Bedeutung. Japan, ein rohstoffarmes Land, ist in hohem Maße von Lebensmittelimporten aus den Vereinigten Staaten, China und Australien abhängig und weist eine Selbstversorgungsrate von nur knapp 40 % auf. Zahlreiche Lebensmittelskandale, die teilweise auch Importprodukte involvierten, haben in den vergangenen Jahren Aufmerksamkeit erregt. So wurde 2008 der Vorfall importierter chinesischer Teigtaschen, die mit Pestiziden durchsetzt waren, bekannt. Zudem ist ein Wandel der Ernährungsgewohnheiten zu beobachten. Der Verzehr von Reis, Japans traditionellem Nahrungsmittel, hat zugunsten von Milch- und Weizenprodukten abgenommen.
Die niedrige Selbstversorgungsrate, Lebensmittelskandale und die Besorgnis über den Wandel der Ernährungsgewohnheiten japanischer Bürger haben Japans Regierung aktiv werden lassen. Im vergangenen Jahr rief das Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei die Initiative Food Action Nippon ins Leben, deren Ambition es ist, die Selbstversorgungsrate bis zum Jahre 2015 auf 45 % anzuheben. Im Mittelpunkt steht hierbei die Nutzung regionaler Argarprodukte, deren Anbau im Einklang mit den Jahreszeiten steht. Dieses Ziel verfolgt auch die NGO Slow Food Japan, die eng mit der 1986 in Italien gegründeten Mutterorganisation Slow Food kooperiert, und regionale Agrarprodukte, die eines besonderen Anbaus bedürfen oder in Vergessenheit geraten sind, vor dem Aussterben bewahren möchte.

Basierend auf Feldforschung in Tokyo und Miyagi steht ein Vergleich dieser beiden Organisationen, deren Entstehung zwar unterschiedlich ist, die aber ähnliche Ziele verfolgen, im Vordergund dieses Vortrags. Die Hinwendung zu regionalen Agrarprodukten, die von japanischen Verbrauchern mit höherer Qualität und Sicherheit assoziiert werden, weist jedoch auch auf die Rolle nationaler und regionaler Identität in der Wiederentdeckung von Japans kulinarischem Erbe hin.

Dr. Stephanie Assmann hat 2003 ihre Promotion in Japanologie an der Universität Hamburg abgeschlossen und ist derzeit an der Tohoku Universität in Sendai als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache tätig. Zu ihren Forschungsinteressen gehören das Konsumentenverhalten, japanische Esskultur sowie Gender und soziale Schichtung in Japan. Zurzeit arbeitet sie an der Mitheraus-gabe eines Sammelbandes mit dem Titel „Past and Present in Japanese Foodways“ den sie mit dem Historiker Eric Rath von der University of Kansas herausgibt.