OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 22. November 2017, 18:30-20:00 UhrReik Jagno: Georg Würfel (1880-1936). Ein Zerbster als Vater des Eiskunstlaufs in Japan

Würfel Portrait

Bei der Erforschung der Geschichte Japans findet man eine Vielzahl von Personen und Organisationen, welche sich um die deutsch-japanischen Beziehungen verdient gemacht haben. Viele dieser Personen haben eine Gemeinsamkeit: Sie waren Mitglieder in der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. Die OAG war und ist Heimat für eine Vielzahl an Professionen. Die Bedeutung der Mitglieder, zum Beispiel der Herren Rieß, Bälz oder Wagener, für die Gesellschaft, aber auch für das deutsch-japanische Verhältnis, ist bekannt.

Würfel Unterricht

Ursprünglich wurde die OAG als Gemeinschaft für die deutsche Forscherkolonie in Tokyo und die deutschen Kaufleute in Yokohama gegründet. Sie musste Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts einen großen Rückschlag hinnehmen, als die Zeit der o-yatoi gaikokujin ihr Ende nahm. In diesem Zeitraum übernahmen Missionare und Lehrer der Kōtō Gakkō (landesweite weiterführende (Elite-)Schulen) einen Großteil der Arbeiten der Gesellschaft.
Sind Leistungen deutscher Mitglieder der OAG aufgrund dieser Dezentralisierung in Vergessenheit geraten? Diese Frage stellt sich, wenn man nach Sendai in den Stadtteil Kawauchi reist. Kawauchi ist durch den Fluss Hirose von der restlichen Stadt getrennt. Bis zum Zweiten Weltkrieg stand hier das Stadtschloss, dessen beeindruckende Festungsmauern bis heute Bestand haben. Die Tōhoku-Universität, eine der besten staatlichen Universitäten des Landes, befindet sich in Kawauchi. Am Fuße des Schlosses gibt es einen kleinen Teich, der Goshikinuma genannt wird. Es verweist nur eine kleine Tafel auf die historische Bedeutung eben jenen Teiches. Auf der Tafel steht, dass Go-shikinuma als der Geburtsort des Eislaufens in Japan gilt und der Vater des Eislaufens der Lehrer Herr Wilhelm ist.

Goshikinuma

Wer aber war dieser „Herr Wilhelm“? Es handelt sich um den aus Zerbst in Anhalt stammenden Friedrich Wilhelm Georg Würfel. Er kam 1907 als Missionar nach Tokyo und ging ein Jahr später nach Sendai, um dort als Lehrer zu arbeiten. Bis zu seinem Ableben im Jahr 1936 blieb er in dieser Position tätig. Was kann über Würfel berichtet werden, welcher nicht nach Deutschland zurückkehrte, sondern seiner Tätigkeit für fast 30 Jahre in der japanischen Provinz nachging, den Ersten Weltkrieg dort erlebte und den Japanern das Eislaufen beibrachte? Welche Bedeutung hat er für die Stadt Sendai? Zusätzlich zur Beantwortung dieser Fragen soll die Bedeutung von Würfel für die Untersuchung des Wissenstransfers zwischen Deutschland und Japan vorgestellt werden.

Würfel+Hund

Reik Jagno studierte Geschichte und Ur- und Frühgeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Seit dem Masterstudium liegt sein Schwerpunkt auf Kolonialer und Außereuropäischer Geschichte. Im Rahmen seines Studiums absolvierte er mehrere Aufenthalte an der Tōhoku-Universität in Sendai. Unter seinen Veröffentlichungen finden sich ein Artikel auf Japanisch zur Frage der Betrachtung der Eulenburg-Expedition in den deutschen geographischen Zeitschriften und über Georg Würfel: Ein Zerbster in Japan. Außerdem ist er für das Lektorat des Deutschlehrbuches „Deutsch mit Keitai“ verantwortlich. Von Mai 2017 bis Dezember 2017 befindet er sich im Rahmen seiner Dissertation „Wissenstransfer zwischen Deutschland und Japan“ als Stipendiat am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ), Tokyo.