Mittwoch, 26. Juni 2024, 18:30–20:00 Josko Kozic: „Auf den Spuren Buddhas im Land der Tausend Quellen – Bildvortrag über eine Forschungsreise nach Kirgistan“

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Steinerne Figuren (‚Balbals‘) in der antiken Stätte von Burana aus dem 6. Jahrhundert, womöglich Gedenksteine für gefallene Soldaten

Die zentralasiatische Republik Kirgistan grenzt an vier Länder, darunter im Osten auch an China, womit es zu den Ländern gezählt wird, die entlang der „alten Seidenstraße“ liegen. Die kleine Republik unterlag in den vergangenen Jahrzehnten großen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Umbrüchen und gehört zu den ärmsten Ländern der Region. Dennoch genießt Kirgistan den Status als fast einziges Land Zentralasiens, in dem bisher eine relativ stabile Form der Demokratie praktiziert wird. Heute ist es eine lebendige, junge Republik mit einem großen Engagement im Bereich internationaler Bildungs- und Forschungsinitiativen.

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Lehm-und Sandsteinformationen im ‚Skazka‘-Tal (russ. „Märchen“) bei Tosor

So gibt es neben vielen deutschsprachigen Bildungs- und Berufsausbildungseinrichtungen inzwischen auch einige Institutionen und Fakultäten, an welchen das Erlernen der japanischen Sprache sowie ein Bildungs- oder Berufsaustauschprogramm für junge Kirgisen nach Japan möglich ist. Im Jahre 2022 feierte man in Japan „30 Jahre diplomatische Beziehungen zu Zentralasien“, darunter auch zu Kirgistan. Heute findet sich in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek neben dem Institut für Japanstudien auch eine Zweigstelle der Japan International Cooperation Agency (JICA), welche vor Ort mit kirgisischen und japanischen Partnern zusammenarbeitet und an einem Forschungsprojekt mitgewirkt hat, welches in diesem Vortrag besondere Erwähnung finden soll: dem Ausgrabungsprojekt des Teikyo University Silk Road Academic Research Teams.

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Blick auf den kristallklaren See Issyk-Köl, welcher mit Xuanzang und dem „Affenkönig“ Son Wukong (jap Son Goku) in Verbindung steht

Das Projekt widmet sich vor allem der antiken Stätte Ak-Beshim, deren multikulturelles sowie multireligiöses Königreich Suyab im 6. und 7. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte und von dem Forschungsteam seit mehr als fünf Jahren erfolgreich untersucht wird. Die Gegend ist bereits seit mehreren Jahrzehnten ein beliebtes Ziel in japanischen Forschungskreisen, war es doch der in Japan sehr berühmte chinesische Mönch Xuanzang, der auf seiner Reise nach Indien im 7. Jahrhundert unter anderem das heutige Kirgistan durchwanderte und seine dort gewonnen Eindrücke für die Nachwelt aufzeichnete. Seine Schriften dienten als Grundlage für das chinesische Epos Die Reise in den Westen (j. Seiyūki), welches zum Teil auf wahren Begebenheiten und Schauplätzen basiert.

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Fels-und Dünenlandschaft im ‚Skazka‘-Tal inklusive “chinesischer Mauer“

Die eigene, mehrtägige Teilnahme an dem Ausgrabungsprojekt sowie der unmittelbare Kontakt zu den verantwortlichen Mitwirkenden, den lokalen Anwohnern und die eingefangenen Eindrücke der Naturlandschaften und der Botanik Kirgistans sollen dem Bildvortrag in Form von Aufnahmen und Videomaterial authentische und detaillierte Impressionen verleihen und alle Teilnehmer zu einer digitalen Forschungsreise in einen bisher relativ unerschlossenen Teil der zentralasiatischen Hemisphäre einladen. Auch das Rätsel, warum diese trockene und teils sehr karge Landschaft „Land der Tausend Quellen“ heißt, wird beantwortet.

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Ausgrabungsprojekt der Teikyo University in der antiken Stätte Ak-Beshim bei Tokmok
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Einheimische Mitarbeiter des kirgisisch-japanischen Ausgrabungsprojektes
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Jurten (kirg. Boz-üy) an der Ausgrabungsstelle, in denen gemeinsam zu Mittag gegessen wurde

Josko Kozic, Doktorand der Religionswissenschaft (Uni Heidelberg) ist zurzeit als Gastforscher an der Sophia Universität und am Nanzan Institute for Religion and Culture tätig. Sein Forschungsgebiet umfasst Religion (insbesondere Shugendō) in Zusammenhang mit Japans aktueller Kulturpolitik. Kürzlich war er Volontär eines japanischen Ausgrabungsteams in Kirgistan. Zudem engagiert er sich in Tokyo für die Bildungschancen junger Uiguren und unterhält Kontakte zu japanisch-zentralasiatischen Vereinen und Forschungsgruppen.

Im Anschluss an den Vortrag findet die Eröffnung der Ausstellung von Ikumo Motosugi bei einem kleinen Umtrunk im Foyer statt.