Mittwoch, 20. April 2005, 18:30–20:00 Prof. Dr. Gabriele Vogt: „Ein Heliport für Henoko?
 Geschichte und Gegenwart eines politischen Kampfes“

Henoko, ein kleines Fischerdorf im Regierungsbezirk Nago (Nord-Okinawa) steht seit einigen Jahren im Blickpunkt militärischer Interessen der USA und Japans. Die Regierungen der beiden Nationen hatten sich im April 1996 darauf verständigt, den umstrittenen Stützpunkt der US-Marines, Futenma MCAS, aufzulösen, insofern für die dort stationierten Einheiten ein geeigneter Ersatz-stützpunkt gefunden werden könne. Schon bald einigte man sich darauf, in der Bucht von Henoko einen Heliport, einen Helikopterstützpunkt auf einer im Meer künstlich zu errichtenden Plattform, zu bauen und die Futenma-Marines dorthin umzusiedeln. Die Konstruktion dieses Heliports jedoch wird seither von lokalen Bürgergruppen Henokos mit einer Vielzahl von Mitteln des politischen Protestes bekämpft. Dazu zählen u. a. ein Referendum, ein Hungerstreik und ein Sit-in zu Land und zu Wasser. Dieser wurde am 19. April 2004 begonnen und dauert bis zum heutigen Tage an.

Der Vortrag möchte den Widerstand der Bürger Henokos gegen den geplanten Bau des Heliports – anhand umfassenden Bildmaterials – vorstellen. Dabei soll auch das politische Spannungsfeld Henoko – Tokyo – Washington analysiert werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie einflußreich zivilgesellschaftlicher Protest im politischen System Japans sein kann.

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Seit 2004 protestieren Bürger in Henoko gegen den Neubau eines US-Militärstützpunktes. © Gabriele Vogt

Prof. Dr. Gabriele Vogt ist Politikwissenschaftlerin und seit Januar 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin im neuen Forschungsprojekt „Herausforderun-gen des demographischen Wandels“ des Deutschen Instituts für Japanstudien (http://www.dijtokyo.org). Ihr Forschungsschwerpunkt sind Neue Soziale Bewegungen. Sie beschäftigt sich außerdem seit 1995 mit kulturellen Identitäten und politischen Protesten in Okinawa. Dank eines JSPS Postdoctoral Fellow-ships konnte sie im vergangenen Jahr als Gastwissenschaftlerin an der Ryukyu Universität die neuesten Entwicklungen der Okinawa Lokalpolitik verfolgen.