Mittwoch, 16. November 2005, 18:30–20:00 Dr. Thomas Hackner: „Die ‚Entdeckung der Landschaft’ und die Literatur der späten Meiji-Zeit“

Das Jahrzehnt von 1895 bis 1905 ist in Japan durch ein starkes Anwachsen des Interesses an den geografischen Gegebenheiten der Naturlandschaft Japans gekennzeichnet. Damit einher geht eine Veränderung des ästhetischen Verhältnisses zur Natur, das sich in vielen Bereichen niederschlägt.

Am Anfang dieser Neuaneignung der Natur steht die gerade aufkommende Wissenschaft der Geographie, die in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen ein breites Publikum erreicht. Doch auch und vor allem in der Literatur lassen sich deutlich Veränderungen erkennen: Nicht nur gibt es in der Lyrik Bemühungen, die traditionellen Topoi zu überwinden und einen neuen Zugang zur Natur finden, auch in der Prosa reicht die Bandbreite der Texte, die Landschaft und Naturerfahrung zu ihrem Thema machen, von den Werken junger Schriftsteller, die bewußt nach neuen Ausdrucksformen suchen, bis hin zu Bestsellern, deren Autoren sich um eine Verbindung von traditioneller Stilistik und neuen Inhalten bemühen.

Der Vortrag will am Beispiel einiger repräsentativer Werke diese Entwicklung nachzeichnen und dabei vor allem auf den (kultur)historischen Kontext eingehen, in dem sich diese Veränderungen vollziehen.

Dr. Thomas Hackner studierte an der Universität München Japanologie, Germanistik und Philosophie. Er promovierte über die Rezeption von Dadaismus und Futurismus in Japan und ist seit 2001 wissenschaftlicher Assistent an der Universität Trier (z. Zt. als Research Fellow der Japan Foundation an der Waseda Universität). Sein Forschungsinteresse gilt insbesondere der japanischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts.