Vorträge
Mittwoch, 7. März 2007, 18:30–20:00 P.Dr. Joseph Muehlberger SJ: P. Alessandro Valignano SJ – Erneuerer der japanischen Moral im 16. Jh.
Alessandro Valignano SJ (Anfang Februar 1539/ Chieti (Abruzzen) – 20.1.1606/ Macao) war der bedeutendste Organisator und Superior der Jesuitenmissionen im Nahen und Fernen Osten nach Franz Xavier. Nach dem Studium der Rechte und der Doktorpromotion in Padua geriet er in einen Rechtsstreit und wurde kurz eingekerkert. 1566 trat er in die Gesellschaft Jesu ein, studierte Philosophie und Theologie am Collegio Romano. Nach seiner Ordination wurde er zunächst Novizenmeister und Rektor des Kollegs in Macerata, um 1574 zum Visitator der gesamten Jesuitenmissionen im Fernen Osten ernannt zu werden, die unter ihm einen großen Aufschwung erlebten. Zunächst wirkte er in Indien, von dort begab er sich 1578 nach Macao und schließlich nach Japan, wo er die erste diplomatische Mission japanischer Fürsten nach Europa (1582-1590) initiierte. Valignano gehörte zu den ersten Befürwortern eines einheimischen Klerus und der Akkommodation, d.h. der Anpassung der Missionare und der Verkündigung an die jeweilige Landeskultur, wozu u.a. ein intensives Sprachstudium gehörte.
Das Thema wird in drei Teilen behandelt: Der erste Teil zeigt historische Ereignisse und Entwicklungen des 16. Jahrhunderts, das den Historikern als Sengoku-Zeit oder Jahrhundert der Bürgerkriege bekannt ist. Zu einer Zeit, als sich das Land mehr und mehr seiner Auflösung näherte, betreten die Despoten Oda, Toyotomi und Tokugawa die Bühne japanischer Politik. Die Begegnung mit neuen Kräften aus dem fernen Europa kam ihnen zu Hilfe. Die Europäer brachten nicht nur neue Waffen, sondern auch eine neue Religion ins Land. Wie hatte sich das ausgewirkt?
Um die Bedeutung der Begegnung mit dem Christentum besser nachvollziehen zu können, behandelt der zweite Teil die wichtigsten Aussagen der shintoistischen und buddhistischen Ethik. Viele positive Aspekte dieser beiden Religionen berechtigen die Frage, ob denn das Christentum für Japan überhaupt notwendig war oder umgekehrt, ob nicht etwa Europa den Buddhismus annehmen sollte. Valignano antwortet auf seine Weise auf solche Fragen. Der dritte Teil nimmt dazu Stellung. Valignano nennt die ethischen Probleme, die er in Japan vorfindet, klar beim Namen. Er lobt, wo Lob angebracht ist, drängt aber auch auf Verbesserungen, wo sie das Wohl des Einzelnen oder das Gemeinwohl erfordern. Seine Aussagen sind auch heute noch gültig, denn in verschiedener Hinsicht haben sich gewisse Verhaltensweisen leider nicht geändert.
P.Dr. Joseph Muehlberger SJ
„In Rosheim, zwischen München und Salzburg gelegen, kam ich 1941 zur Welt. Meine Schulzeit begann in einer zerbombten Feuerwehrhalle, die aber bald durch ein richtiges Klassenzimmer ersetzt wurde. Zum Glück erlaubten mir die Eltern den Besuch des humanistischen Gymnasiums meiner Heimatstadt. Mit 16 Jahren trat ich ins ehemalige Jesuiten-Gymnasium von Ingolstadt über, wo ich auch das Abitur machte. Da ich für meine Zukunft den Priester- und Ordensberuf wählte, machte ich bei den Redemptoristen in Gars am Inn das Noviziat und studierte anschließend Philosophie und Theologie. Nach meiner Priesterweihe 1969 wurde ich sofort nach Japan geschickt. Ein zweijähriges Sprachstudium bereitete mich auf die Missionsarbeit in Kagoshima vor. In den ersten 10 Jahren engagierte mich auch die staatliche Universität von Kagoshima als Deutsch-Lektor. 1987 mußte ich meinen Aufenthalt in Japan unterbrechen und für 8 Jahre nach Rom übersiedeln, um ein Zweitstudium in Moraltheologie zu absolvieren, das ich 1994 mit einer Doktorarbeit über den Jesuiten Alessandro Valignano abschloß.“









