Mittwoch, 27. Juni 2007, 18:30–20:00 Harald Fuess: Geschichte des deutschen Bieres in Japan

Im Allgemeinen wird Sake als Symbol für japanische Konsumkultur angesehen und sogar häufig als Nihonshu (japanischer Alkohol) bezeichnet. Was diese exotisierende Sichtweise allerdings ignoriert, ist die Tatsache, daß heute Bier in verschiedenen Variationen bei weitem das meistgetrunkene alkoholische Getränk in Japan ist. Der Vortrag erklärt wie und warum Japan im Zuge der Globalisierung der Konsumkultur seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine biertrinkende Nation wurde.

Zuerst lehnten Japaner den schäumenden braunen Saft ab und kritisierten den Geschmack als Pferdeurin und bis in die 1880er Jahre wurde Bier in Japan fast ausschließlich von Ausländern in Yokohama getrunken. Erst als Deutschland im Bereich des Bierbrauens und des Bierkonsums zum Vorbild genommen wurde, konnten sich allmählich moderne Bierfirmen in Japan etablieren und ein Markt unter der männlichen Großstadtbevölkerung gefunden werden. Innerhalb kurzer Zeit verdrängte dann die einheimische Produktion die ausländischen Importe und Japan wurde selbst zu einer regionalen Exportnation.

Mit dem Sieg im ersten Weltkrieg über Deutschland konnte die Großjapanische Brauerei eine Produktionsstätte in der ehemaligen deutschen chinesischen Kolonie übernehmen und die Biermarke Tsingtao erschaffen, um ihr Produkt in Ostasien verkaufen zu können, ohne das es von anti-japanischen Boykottbewegungen erfasst wurde. Der zweite Weltkrieg beendete die regionale Vormachtstellung der japanischen Brauereien und führte unter der amerikanischen Besatzungszeit zu einer Zerschlagung der beherrschenden Firma. Mit dem Wirtschaftswachstum seit den 50er Jahren und einer Geschmacksverlagerung zugunsten westlichen Konsumguts erlebten die Brauereien ihre goldenen Jahre und eine der japanischen Brauereien war zeitweise die drittgrößte Brauerei der Welt. In der gegenwärtigen Rezession in Japan sind sie auch dabei ihren historischen Markt in Asien wiederzuentdecken.

Harald Fuess ist Professor für japanische Geschichte an der Sophia-Universität in Tokyo. Seine Ausbildung erhielt er an den Universitäten Princeton, Tokyo und Harvard und für fünf Jahre war er danach als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Japanstudien angestellt. Seit 2000 ist er auch Vorstandsmitglied der European Association for Japanese Studies.

Geschichte des deutschen Bieres in Japan {5.8.2026}
Geschichte des deutschen Bieres in Japan