OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 22. Januar 2020, 18:30-20:00 UhrOlympische Reihe, Teil 1. Vortrag von Dr. Barbara Holthus (DIJ): „Tokyo 2020: Japans Versuch, sich neu zu erfinden“

Olympische Rekorde werden in Sekunden und Millisekunden gemessen; die Olympischen und Paralympischen Spiele dauern 34 Tage; die Vorbereitungen im Falle von Tokyo 2020 umfassen mehr als 15 Jahre. Die Auswirkungen dieser weltgrößten Sportveranstaltung auf das Tokyoter Stadtbild und in den Erinnerungen der Nation hingegen werden Generationen überdauern.

Japan und Tokyo versuchen sich mit den Olympischen und Paralympischen Spielen als Ort der Diversität, der Inklusion, der Weltoffenheit, der „Coolness“, und der Gastfreundschaft neu zu erfinden. Auch wird versucht, die Nuklearkatastrophe von Fukushima als „überwunden“ darzustellen. Insgesamt dient Tokyo 2020 als Prisma, in dem sich die Hoffnungen verschiedenster Akteure mit den kommerziellen Interessen des IOC und der Sponsoren verdichten. Das Deutsche Institut für Japanstudien nimmt die Olympischen Spiele in Tokyo zum Anlass, Japan anhand der Art und Weise, wie die Spiele beworben, vorbereitet und diskutiert werden, aus den verschiedensten Blickwinkeln zu erklären. Die Anti-Olympia Bewegung, die Sicherheitspolitik und Industrie, die Werbewirtschaft und das Sponsoring, die regionalen Unterschiede des Landes, die Arbeitsbedingungen an den neuen Sportstätten, die Kulturindustrie und mehr werden analysiert.
Besonderen Fokus legt dieser Vortrag auf die Rolle der Freiwilligenarbeit für die Olympischen Spiele. Ein Überblick über die Geschichte des volunteering in Japan, warum Tokyo 2020 ein Richtungswandel sein will, und erste Einblicke in meine Feldforschung als „Field cast“ runden diesen Vortrag ab.

Barbara Holthus promovierte 2006 in der Japanologie der Universität Trier und im Jahr 2010 in der Soziologie der University of Hawaii at Manoa. Ihre Forschungsgebiete sind der demographische Wandel, Glück und Zufriedenheit, sowie soziale Bewegungen, insbesondere deren Aktivitäten seit der Dreifachkatastrophe von 2011. Von 2007 bis 2013 war Barbara Holthus wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ), und trat im Anschluss eine Assistenzprofessur an der Universität Wien an. Im Mai 2018 kehrte sie als stellvertretende Direktorin an das DIJ Tokyo zurück. Aktuell ist sie die Hauptherausgeberin des Buches Japan through the lens of the Olympics, das Anfang 2020 erscheinen wird.