Vorträge
Mittwoch, 16. Mai 2007, 18:30–20:00 Klaus-Michael Hinz: „Die Tradition der Moderne. Neue Musik in Japan“
Nishimura Akira ist der japanische Komponist, dessen Werk das „Composium“ der Opera City in Tokyo dieses Jahr vorstellt, der deutsche Komponist Helmut Lachenmann wird einer der nächsten sein. Beide bestimmen damit als Juroren auch die jeweiligen Gewinner des Takemitsu-Tōru-Kompositionspreises.
Der Vortrag beschäftigt sich deshalb mit ihrer Ästhetik und ihrer Kompositionsweise. Einmal: um zum Vergnügen an den Stücken beizutragen, die in den Composiumskonzerten gespielt werden, zum andern, um von daher Kriterien zu finden, die für die Auswahl der Preisträger eine Rolle spielen könnten. Nishimura bezieht sich sehr bewußt auf asiatische Traditionen und integriert sie in abendländische Gattungen wie Konzert und Streichquartett. Helmut Lachenmann hat einen Ruf als streng aufklärerischer Kopf, und man erntet Verwunderung, wenn man erzählt, man habe sich mit ihm über Zen-Buddhismus und die Philosophie der Kyoto-Schule unterhalten.
Von Nishimura und Lachenmann ausgehend kann man die wechselseitigen Einflüsse darstellen, die es seit der Meiji-Zeit in der neuen Musik Japans und Europas gegeben hat. Die japanischen Neutöner der Generation Takemitsu Tōrus sind in der Entdeckung der Moderne des Westens sowohl wie der eigenen Tradition Autodidakten gewesen, Ichiyanagi Toshi und später Kondō Jō haben in New York bei John Cage und Morton Feldman gelernt und gleichzeitig ihre Lehrer beeinflußt. Tokyo ist ein hochinteressantes Pflaster für die musikalische Avantgarde und ihre Hörer. Der Vortrag will zeigen, warum.
Klaus-Michael Hinz lebt als Musik- und Literaturkritiker in Stuttgart und arbeitet für deutschsprachige Tageszeitungen, Fachzeitschriften und Rundfunksender. In den MusikTexten und im Radio wurden seine Porträts zeitgenössischer japanischer Komponisten veröffentlicht. Er hat Beiträge für Musikenzyklopädien geschrieben (New Grove Dictionary, Musik in Geschichte und Gegenwart), einen Band über zeitgenössische Musik in Deutschland der Contemporary Music Review London herausgegeben sowie Vorträge an verschiedenen Universitäten (Krakau, Pisa, Sevilla, Granada, Ochanomizu-Universität Tokyo) gehalten.








