OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 7. Februar 2018, 18:30-20:00 UhrProf. Dr. Annette Schad-Seifert: „Womenomics – Können Frauen die Wirtschaft Japans retten?“

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Der japanische Premierminister Shinzō Abe erklärte im Jahr 2013, dass der Erfolg seiner Wachstumspolitik maßgeblich von der „Macht der Frauen“ abhänge. Bis 2020, dem Jahr der Olympiade in Tokyo, sollten Japans Führungsetagen ihren Frauenanteil auf 30 Prozent anheben und die Beschäftigung der Gruppe der Frauen im Alter von 25 bis 44 Jahren solle auf 73 (von derzeit 68%) Prozent steigen. Wenn genauso viele Frauen wie Männer einer Beschäftigung nachgingen, könne das eine Steigerung des Brutto-inlandsprodukts bringen, so die Überzeugung des LDP-Chefs.

Hintergrund dieser Politik sind die negativen Zahlen des Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums, die Japan eine nach wie vor mangelhafte Geschlechtergerechtigkeit im Arbeitsmarkt bescheinigen. Der Regierungschef sieht deshalb Frauen-förderung mittlerweile als eine Art Wirtschaftspolitik seines Landes. Die Maßnahme trägt den innovativen Namen „Womenomics“ und ist Teil des dritten „Pfeils“ der Wachstumsstrategie der Abe-Regierung. Urheberin der „Womenomics“ ist aber eigentlich eine Portfolio-Strategie der Goldman Sachs Investment Bank. Diese betrachtet Frauen als „Vermögenswert“, mit dem ein Land wie Japan den Ausweg aus der demographischen Arbeitsmarktkrise schaffen könne.
Der Vortrag diskutiert die zentralen Forderungen der „Womenomics“ und stellt dar, mit welchen politischen Maßnahmen die japanische Regierung diese bisher umgesetzt hat.

Dr. Annette Schad-Seifert ist Professorin am Institut für Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie absolvierte ein Studium der Japanologie (Sozialwissenschaft), Religionswissenschaft und Sozial- und Wirtschaftgeschichte an der Freien Universität Berlin und Keiō-Universität Tokyo. Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Leipzig und am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokyo. Ihre Forschungs- und Publikationsschwerpunkte sind moderne Kulturstudien, Geschlechterforschung und Männlichkeitsstudien, Wandel der Familienformen, Familienpolitik und demographischer Wandel.
Kontakt: schad(at)phil.hhu.de