OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 28. Februar 2018, 18:30-20:00 UhrProf. Dr. Gabriele Vogt: „Internationale Migration von Pflegekräften. Ein japanisch-deutscher Vergleich“

© Gabriele Vogt
© Gabriele Vogt

In Japan und Deutschland, wie auch in zahlreichen anderen vom demographischen Wandel gezeichneten Industrienationen, herrscht ein Mangel an Fachpersonal in der Krankenpflege und Altenpflege. Beide Länder versuchen diesem Mangel mit einem Mix aus Maßnahmen entgegenzuwirken. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und des Lohnniveaus in Pflegeberufen zählt ebenso dazu wie eine voranschreitende Technisierung des Pflegealltags. Erst kürzlich zu diesem Maßnahmenmix hinzugekommen ist in beiden Ländern die internationale Migration von Pflegekräften. Im Rahmen bilateraler Wirtschaftsabkommen (Economic Partnership Agreements) ist es Pflegekräften aus Indonesien, den Philippinen und aus Vietnam mittlerweile möglich, in Japan Beschäftigung aufzunehmen. Deutschland wiederum hat mit den Philippinen, Tunesien, Bosnien-Herzegowina und Serbien das sogenannte Triple Win Programm geschlossen, dass eine Pflegekräftemigration aus den genannten Ländern nach Deutschland ermöglicht.

© Gabriele Vogt
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In diesem Vortrag werden die beiden Migrationssysteme von ihrer Verhandlungsphase bis hin zur Implementierung und Evaluation vorgestellt. Es zeigt sich, dass bis dato keines der beiden Systeme attraktiv ist, weder für potenzielle Migranten noch für die inländischen Arbeitgeber. Entsprechend werden sie kaum genutzt und müssen aus arbeitsmarktpolitischer Perspektive müssen als gescheitert betrachtet werden. Nichtsdestotrotz halten beide Länder an ihnen fest. Im Falle Japans sind dafür wirtschaftspolitische Interessen verantwortlich zu zeichnen, im Falle Deutschlands steht ein globaler entwicklungspolitischer Beitrag im Zentrum der politischen Überlegungen.

Prof. Dr. Gabriele Vogt ist seit 2009 Professorin für Politik und Gesellschaft Japans im Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg. Davor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokyo. Zu ihren Forschungsinteressen zählen neben Japans demographischem Wandel und internationaler Arbeitsmigration auch zivilgesellschaftliches Engagement und politische Protestbewegungen. Zu ihren neueren Publikationen zählen: Vogt, Gabriele (2017): Population Aging and International Health-Caregiver Migration to Japan. Cham: Springer; Heinrich, Steffen und Vogt, Gabriele (2017, Hg.): Japan in der Ära Abe. Eine politikwissenschaftliche Analyse. München: Iudicium (DIJ Monographienreihe, Band 60); Multiculturalism and trust in Japan: educational policies and schooling practices. In: Japan Forum, 29:1 (2017), S. 77–99.