OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 9. Mai 2018, 18:30-20:00 UhrDr. William Gater: „Die Welt der japanischen Farben ‒ ein linguistischer Blick“

In diesem Vortrag wird von der Theorie der Farben im linguistischen Sinn gesprochen. In den 60er Jahren kam es durch die transformatorische Grammatik zu einer ganz revolutionären Wendung in der Linguistik. Unter der Leitung von Noam Chomsky und seinen Schülern am Massachusetts Institute of Technology entstand eine neue Richtung der Linguistik, die grundsätzlich die alte Tendenzen des Strukturalismus vertrieb. Die Betonung lag zuerst auf der Syntax, aber später wurden auch die Phonetik und die Semantik untersucht. Die treibende Kraft hinter allem war die Hypothese vom Universalismus.
Dieser Begriff steht in krassem Widerspruch besonders zu der Sprachwissenschaft der Neugrammatiker und anderer, die einen großen Einfluss auf amerikanische Linguisten ausgeübt hatten. Viele, wie Bloomfield, hatten ihre sprachwissenschaftlichen Studien in Jena oder Leipzig im 19. Jahrhundert gemacht.
Die transformatorische Grammatik war sehr theoretisch und, um haltbar zu sein, war es nötig, konkrete linguistische Beispiele zu geben. Dies galt besonders für die Semantik. 1969 haben zwei Schüler von Chomsky – Berlin und Kay – eine Hypothese für den Universalismus von Farben aufgestellt. Farben, die ja überall zu finden sind, boten ihnen eine gute Gelegenheit, die These von der Universalität mit konkreten Beispielen nachzuweisen. Das Resultat war ein Buch – Basic Color Terms – das eine starke Wirkung in der Linguistik hatte. Es wurde rasch angenommen und der Inhalt zum Dogma erhoben. Es galt als ein Beweis dafür, dass nicht nur Farben, sondern auch andere Begriffe allen Völkern gemein seien. Besonders in den 60er Jahren lag dies ganz im Trend der Zeit.
Sehr schnell kam jedoch auch Kritik an dieser Hypothese auf, hauptsächlich vorgebracht von den Anhängern der traditionalistischen Bewegungen. Ihre Kritik war stark und verheerend. In diesem Vortrag beschränke ich mich darauf, diese Kritik am Universalismus im Rahmen der Welt der japanischen Farben zu zeigen.

Durch eine Analyse der heutigen japanischen Farben sehen wir, dass sie sehr weit von den Univeralien von Berlin und Kay stehen. Ganz im Gegenteil sehen wir ‒ wie bei allen Farben in anderen Sprachen ‒ eine starke Verknüpfung mit der Natur des Landes.

William Arthur Gater, 1942 in Hamilton /Kanada geboren. Britische und kanadische Staatsangehörigkeit. 1966 B.A. (in russischer Literatur und Sprache) der McMaster Universität, 1968 M.A. (in deutscher Philologie) der staatl. Universität von New York. 1970 Studien der Nordistik (Isländische Sprache) an der FU Berlin und Linguistik an der TU Berlin. 1972 Forscher und Übersetzer an dem Institut für Natur und Wissenschaft der Republik von Süd-Afrika, Pretoria. Ab 1973 Doktorand in der Abteilung für Linguistik an der Universität von Montreal, Kanada. 1976 Lehrbeauftragter für englische Sprache und Linguistik an der Universität Seishin, Tokyo. 1979-2004 Lehrbeauftragter für englische Sprache an der Universität Tokyo. 1980 Promotion in Linguistik an der Universität Montreal.

Im Anschluss an den Vortrag findet die Eröffnung der Ausstellung „Fliegende Farben“ von Sakuraba Haruki bei einem kleinen Umtrunk im Foyer statt. Eintritt frei.