Mittwoch, 28. Februar 2007, 18:30–20:00 Japan und die Japanberichterstattung im Umbruch

Die neue Regierung von Ministerpräsident Abe Shinzō will Japan mehr Geltung in der Welt verschaffen und dem Land ein neues Selbstverständnis geben. Abe möchte die „Friedensverfassung“ revidieren und mit der NATO kooperieren. Im
Inland soll eine Erziehungsreform die „schönen“ Tugenden des alten Japan wiederbeleben. Und wer bisher in Ausbildung oder Beruf den Aufstieg nicht geschafft hat, soll eine „zweite Chance“ bekommen. Vieles kam in Bewegung…

Auch die Berichterstattung über Japan befindet sich im Umbruch: Der rasante Aufstieg Chinas überschattet im fernen Europa das Interesse an Japan – Korrespondenten werden nach Beijing oder Shanghai versetzt, Japan-Büros geschlossen oder verkleinert. Gleichzeitig hat das Internet mit seinen weltweiten Rund-um-die-Uhr-Informationen die klassische Medienwelt herausgefordert und bedroht zunehmend auch deren finanzielle Basis. Die überlieferten Aufteilungen zwischen Bild-, Ton- und Print-Journalisten sowie Presseagenturen oder zwischen festangestellten Korrespondenten und freien Journalisten verschwimmen zusehends, auch in der Japan-Berichterstattung.

Wie reagieren die deutschsprachigen Journalisten in Tokyo auf diese Entwicklungen in ihrem Gastland? Was für ein Japan-Bild vermitteln sie ihren Lesern, Hörern oder Zuschauern in der Heimat? Wie präsentieren und bewerten sie die Veränderungen im Lande und in ihrem beruflichen Umfeld? Wie arbeiten sie? Und was für Menschen sind das eigentlich, die mit ihren Berichten aus Tokyo ganz wesentlich dazu beitragen, was man in Deutschland, Österreich oder der Schweiz über Japan weiß, denkt und empfindet?

In unserer Medien-Serie erwarten wir diesmal zwei Allround-Journalisten, Hans-Günther Krauth und Susanne Steffen, die mit ihrem in Tokyo gegründeten Medien- und Infoservice JapanUpdate auf die sich verändernden Verhältnisse in der Japan-Berichterstattung schnell reagieren und in das breite Spektrum ihrer Dienstleistungen auch die japanische Seite einbezogen haben – Berichterstattung in umgekehrter Richtung: Aus und über Europa für japanische Medien.

Hans-Günther Krauth (*1952) lebt seit 1977 in Japan. Nach dem Studium in Berlin (u.a. Japanologie und Volkswirtschaftslehre) arbeitete er zunächst als Deutschlehrer (u.a. NHK), ab 1979 bei NHK-World Radio Japan. Seit 1985 ist er Journalist, seit 1993 Japan-Korrespondent des Fernsehsenders VOX. Gemeinsam mit S. Steffen gründete er 2004 JapanUpdate. Sein Fernsehfilm „Im Bann der Berggottheit“ erhielt 1996 beim 40. Wettbewerb für Filme und Videos über Japan den „Silver Prize“. Krauth ist auch Ko-Autor von Reiseführern (Marco Polo „Tokio“, 2005).

Susanne Steffen (*1973) hat 1998 ihr Studium der Ostasienwissenschaften in Duisburg abgeschlossen und als Redakteurin bei dem Wirtschaftsmagazin Die Geschäftsidee begonnen. 1999 wechselte sie zur Deutschen Welle und war von 2000 bis 2004 in der deutschen Redaktion von NHK-World Radio Japan tätig. Parallel dazu arbeitet Steffen seit 2000 als Japan-Korrespondentin für die Deutsche Welle, für das Wochenmagazin FOCUS und das deutsche Sprachprogramm von NHK-TV. Im Rahmen von JapanUpdate wirkte sie seither an einer Vielzahl von Medienprojekten mit.

Moderator des Abends ist der OAG-Medienbeauftragte Gebhard Hielscher (bis Anfang 2000 fast drei Jahrzehnte lang Fernost-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung).