Mittwoch, 3. April 2024, 18:30–20:00 „Konfliktherd Asien – Wie Japan seine Rüstungsindustrie wiederbeleben will“ Gesprächsabend mit Martin Kölling und Nikolaus Boltze

Japans Minsterpräsiden Kishida Fumio verkörpert die japanische Zeitenwende. Als er im Herbst 2021 sein Amt antrat, galt der Atomwaffengegner als sicherheitspolitische Taube. Dann kam der Ukraine-Krieg – und er setzte im Eiltempo eine historische Wende in Japans Sicherheitspolitik und das größte Aufrüstungsprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg durch.

Ende 2022 kündigte Kishida an, den Rüstungshaushalt bis 2027 auf zwei Prozent zu erhöhen. Das entspricht fast einer Verdoppelung in fünf Jahren. Er legte den Grundstein für Sicherheitsallianzen mit Australien, Großbritannien, Deutschland und sogar für einen trilateralen Bund mit Südkorea und den USA. Nun will er auch noch die bisher friedliche Nation zum Waffenlieferanten machen.

Als erster japanischer Regierungschef seit dem Zweiten Weltkrieg warb er im vergangenen November bei einem Besuch auf den Philippinen für staatlich finanzierte Waffenverkäufe ins Ausland. Anschließend unterzeichnete er ein Truppenbesuchsabkommen und machte das südostasiatische Land zum ersten Empfänger eines neuen Militärhilfeprogramms (Overseas Security Aid, OSA), mit dem die japanische Regierung den Kauf japanischer Waffensysteme unterstützt.

Aber werden die Japaner – und die japanischen Unternehmen – diesen Wandel mittragen? Welche Folgen hat das für Japans Rüstungsindustrie und die Beziehungen zu seinen Nachbarn? Und warum will die Bundesregierung mit Japan in der Rüstungsindustrie kooperieren? Um diese und andere Fragen zu beantworten, haben wir zwei Kenner der japanischen Sicherheitspolitik eingeladen: Nikolaus Boltze und Martin Kölling. Die Moderation übernimmt Sonja Blaschke.

Nikolaus Boltze ist seit 2010 der Länderrepräsentant in Japan für den thyssenkrupp Konzern. Im EBC (European Business Council in Japan) vertritt er das „Defence & Security Committee“, in dem Industrievertreter aus Schweden, Frankreich, Italien und Deutschland den Kontakt und den Austausch zu japanischen Partnern aus Industrie, Verbänden und Politik suchen. Als Präsident des EU-Japan Center of Industrial Cooperation und Mitglied des „EU-Japan Business Roundtable“ hat bei ihm die Kooperation zwischen der japanischen und europäischen Industrie einen hohen Stellenwert.

Martin Kölling ist 2000 für die Financial Times Deutschland nach Japan gekommen. Seither berichtet der ausgebildete Sinologe über die politischen, wirtschaftlichen und technologischen Trends in Japan, Nord- und Südkorea und nun auch Taiwan. 2012 wechselte er zum Handelsblatt. Seit einer Kooperation der Wirtschaftszeitung mit der Neuen Zürcher Zeitung erscheinen seine Artikel auch in der Schweiz.

Sonja Blaschke lebt seit vielen Jahren als freiberufliche Ostasien- und Australasien-Korrespondentin in Tokyo und ist für deutsch- und englischsprachige Print- und Onlinemedien tätig, so z.B. die Neue Zürcher Zeitung und Die Welt. Sie ist verantwortliche Redakteurin des einzigen deutschsprachigen Wirtschaftsmagazins mit Japanfokus, JAPANMARKT, herausgegeben von der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan. Als Producerin arbeitet sie für Fernsehproduktionen in Japan und für deutsche Fernsehsender (ARD, ZDF, Deutsche Welle, ARTE). 2022 drehte sie ihren ersten Dokumentarfilm „Reisfeld statt Tokio“ (SRF/3sat).