OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 31. März 2010, 18:29-19:59 UhrCarola Hommerich: „Angst vor sozialem Abstieg – Empfindungen in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit“

Ein neues Bewusstsein über die Zunahme gesellschaftlicher Ungleichheiten (kakusa shakai) bestimmt im letzten Jahrzehnt in Japan die öffentliche Diskussion. Die Popularität des Themas ist eng verbunden mit der individuellen Angst, selbst zu den sozialen Absteigern zu gehören. So sind die Zukunftserwartungen der Japaner eher negativ: 32% gehen im Jahr 2009 davon aus, dass es ihnen in Zukunft schlechter gehen wird – 22% mehr als noch 1992. Der Anteil der Personen, die in ihrem täglichen Leben Gefühle von Sorge und Unsicherheit verspüren, nimmt ebenfalls seit Beginn der 1990er Jahre kontinuierlich zu und liegt mittlerweile bei 69% (2009). „Glück“ im Sinne von subjektivem Wohlbefinden scheint im heutigen Japan zu einem immer knapperen Gut zu werden.

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In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwiefern die subjektive Wahrnehmung der eigenen Stellung im Sozialgefüge der objektiven Position im selbigen entspricht? Zunehmend wird in der soziologischen Diskussion neben objektiven prekären Lebenslagen auch die Bedeutung eines „subjektiven“ Exklusionsempfindens für individuelle Handlungsstrategien berücksichtigt: Wer empfindet sich als sozial integriert, wer als ausgeschlossen? Welche Faktoren sind bei der Bewertung der eigenen Position ausschlaggebend? Der Zugang zu finanziellen Ressourcen? Die Einbindung in soziale Netzwerke? Persönliche Kompetenzen im Vergleich zu anderen? Spielt die Allgegenwärtigkeit von Wirtschaftskrise und Deflation in der öffentlichen Diskussion eine stärkere Rolle für die Selbsteinordnung als das tatsächliche Erleben finanzieller Einbußen?

Um diese Zusammenhänge genauer zu untersuchen, führte das Deutsche Institut für Japanstudien im September 2009 eine repräsentative Bevölkerungsbefragung in ganz Japan durch. Erste Analyseergebnisse, die deutlich auf starke Statusverlustängste in der japanischen Bevölkerung hinweisen, werden in diesem Vortrag erstmals der Öffentlichkeit vorstellt.

Zu diesem Thema passende Bücher aus der OAG Bibliothek sowie weitere Veröffentlichungen finden Sie hier…

Carola Hommerich ist promovierte Soziologin und seit April 2008 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ) in Tokyo. Hier arbeitet sie zu den Themen „Glück“ und „soziale Ungleichheit“ in Japan. Dabei erforscht sie insbesondere die Zusammenhänge von objektiver Prekarität und empfundener sozialer Exklusion.

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