OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 10. Juni 2015, 18:30-20:00 UhrProf. Dr. Jaqueline Berndt (Kyoto Seika University): „Manga Hokusai Manga: Gemeinsamkeiten ohne ' Ursprung '“

Es gehört zu den Allgemeinplätzen des weltweiten Manga-Diskurses, den „Ursprung“ der gegenwärtigen japanischen Comics wenn nicht den mittelalterlichen Querrollen, so doch den edo-zeitlichen Hokusai Manga zuzuschreiben, einem Bilderkompendium, dessen insgesamt 15 Hefte zwischen 1814 und 1878 erschienen waren.

Durch die globale Präsenz japanischer Comics begünstigt, haben die Hokusai Manga durchaus ihren Platz in den großen Hokusai-Ausstellungen gefunden, so auch der jüngsten in Paris. Tatsächlich nebeneinander gerückt werden das angebliche Vorbild und seine Erben normalerweise aber nicht. Ebendas unternimmt dieser Vortrag und verschränkt die beiden Perspektiven, die für gewöhnlich getrennt bleiben: die kunsthistorische und die der Comics-Studien.

Dabei geht es jedoch nicht um eine Belehrung über richtige oder falsche Ursprünge und ebenso wenig um eine Kritik am Streben nach Ursprüngen als solchem. Vielmehr interessiert, wie sich Hokusai Manga und moderne Manga zueinander in Beziehung setzen lassen und welche unterschiedlichen Vorstellungen von „Manga“ dem jeweils unterliegen. Den Ausgangspunkt bildet der direkte bildliche Vergleich, für den erzählende Manga seit den 1970er Jahren als Material dienen: zum einen solche, die Hokusai selbst als Figur in Erscheinung treten lassen, zum anderen Beispiele, die mit bildsprachlichen Elementen aus Hokusais Zeit operieren. Im Zentrum steht die Zeichnerin Sugiura Hinako (1958-2005), deren Serie Sarusuberi (1983-87) nicht nur mit ähnlichen Manga verglichen wird, sondern auch mit der soeben ins Kino gekommenen Animationsfilm-Adaption von Production I.G und Regisseur Hara Keiichi.

Matsuoka Waka 2011 Christina Plaka 2015

Nach einer kurzen Berücksichtigung des humoristisch-satirischen Aspekts beleuchtet der Vortrag schließlich die Hokusai Manga in ihrer zweiten Funktion, nämlich als Vorlagenbuch für das Zeichnen, und zieht von daher eine Parallele zum gegenwärtigen Manga als partizipativer Kultur.

Prof. Dr. Jaqueline Berndt, Kunst- und Medienwissenschaftlerin, ist seit 1991 an japanischen Hochschulen tätig und lehrt seit 2009 Comics/Manga-Theorie an der Kyoto Seika University. Zu ihren Publikationen zählen Phänomen Manga (1995) und Manga: Medium, Kunst und Material (2015), Reading Manga (hrsg. mit Steffi Richter, 2006) und Manga’s Cultural Crossroads (hrsg. mit Bettina Kümmerling-Meibauer, 2013).
http://kyoto-seika.academia.edu/JaquelineBerndt

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