OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 27. Juni 2018, 18:30 - Samstag, 2. Juni 2018, 20:00 UhrDr. Michael Wachutka: „Vom Umgang mit Monstern und Fabelwesen: Yōkai-Diskurse in Japans Kulturgeschichte“

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Jedes mondäne Mysterium löst die einfache Frage aus, wie wir unsere Welt interpretieren, und wie wir jene Ereignisse erklären, die nicht so einfach in unser alltägliches Verständnis der Art und Weise passen, wie die Dinge funktionieren oder wie sie diesem Verständnis nach zu funktionieren haben. So kulturübergreifend die Erfahrung des „Monströsen“ an sich ist, so kulturspezifisch kann seine mögliche Erklärung sein, wobei sich dennoch weltweite Parallelen entdecken lassen.

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Im zeitgenössischen japanischen Diskurs gilt mittlerweile Yōkai als Überbegriff für jegliche Art von mysteriösem Phänomen oder numinosem Ereignis, welches außerhalb der Norm und jenseits des Natürlichen liegt. Zumeist vorgestellt als listige Kreatur, spukender Geist, seltsames Monster oder amorphes fantastisches Wesen, sind Yōkai Repräsentanten der un-sichtbaren und un-fassbaren „Ursache“ für eine anders nicht zu erklärende „Wirkung“.

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Statt allzusehr spekulativer Definitionsversuche, was genau Yōkai eigentlich sind, steht vielmehr der historische Wandel des Umgangs mit solchen Fabelwesen im Vordergrund des Vortrags. Hierbei werden verschiedene prominente Akteure eines kulturellen Diskurses vorgestellt, der darum bemüht war, diese mysteriösen Phänomene und unheimlichen „Monster“ zu beschreiben, zu kategorisieren und zu erklären. Neben dem beispielhaften Aufzeigen von Schilderungen und Darstellungen von Yōkai vom Altertum bis in die Moderne, liegt das Hauptaugenmerk auf bestimmten historischen Momenten, die durch Wechsel in intellektuellen und sozio-kulturellen Paradigmen gekennzeichneten sind und während denen der populäre bzw. wissenschaftliche Yōkai-Diskurs besonders prominent sowie für umfassendere kulturelle Zusammenhänge charakteristisch war.

Dr. Michael Wachutka ist Direktor des Zentrums für Japanstudien der Universität Tübingen (TCJS) in Kyoto. Nach seinem Studium der Japanologie mit sinologischem Nebenfach in Tübingen studierte er an der Sophia Universität in Tokyo Vergleichende Kulturwissenschaft mit historischem Schwerpunkt. Es folgte ein mehrjähriger Forschungsaufenthalten in Tokyo am Deutschen Institut für Japanstudien und am Institute for Asian Cultural Studies der International Christian University. Zurück in Tübingen promovierte er 2007 im Fach Japanologie, vertrat den japanologischen Lehrstuhl an der Universität Halle-Wittenberg und trat schließlich 2009 seine jetzige Position als Direktor des TCJS an.

Sein Forschungsgebiet ist die japanische Geistesgeschichte, insbesondere das Tennō-System, historische Eigenaussagen zu ethno-nationaler Identität, sowie die Mythologie und heiligen Schriften des Shintō. Momentan arbeitet er an einer umfangreichen Darstellung der Ideenwelt und beteiligten Personen des 1932 gegründeten Ōkura Instituts zur Erforschung der spirituellen Kultur Japans (Ōkura seishin bunka kenkyūjo).
Seinen neueren Buchpublikationen sind u.a: Kokugaku in Meiji-period Japan: The Transformation of ‘National Learning’ and the Formation of Scholarly Societies (Global Oriental, 2013); Staatsverständnis in Japan: Ideen und Wirklichkeiten des japanischen Staates in der Moderne (Nomos 2016, mit Takii Kazuhiro) und Heilige Orte und sakraler Raum in den Religionen Japans (2018, im Erscheinen).

Die ist die letzte Veranstaltung vor der Sommerpause.
Im Anschluss an den Vortrag wollen wir den Abend gemütlich bei einem Umtrunk ausklingen lassen. Eintritt frei. Spenden sind willkommen.