OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 17. Januar 2018, 18:30-20:00 UhrDr. Gerhard Krebs: Eiskunstlauf, Perlenzucht und ‚Rassenschande‘. Fritzi Burgers Begegnung mit Japan

Friederike „Fritzi“ Burger (1910-1999) war eine österreichische Eiskunstläuferin, die 1928 in St. Moritz und 1932 in Lake Placid olympische Silbermedaillen gewann und als „ewige Zweite“ hinter der Norwegerin Sonja Henie galt. Sie heiratete im Jahre 1935 den Japaner Nishikawa Shinkichi, den Enkel des „Perlenkönigs“ Mikimoto Kōkichi.

B.Z.amMittag

Die Nationalsozialisten äußerten sich empört über diesen Fall von „Rassenschande“, waren aber machtlos, da Fritzi Burger nie die deutsche Staatsbürgerschaft besessen hatte, sondern die österreichische und nach ihrer Hochzeit die japanische. In eingeweihten Kreisen galt F. Burger außerdem als Jüdin, und da konnte es den Nationalsozialisten wohl gleichgültig sein, wenn sie einen „Nicht-Arier“ heiratet. Sie bestritt später aber eine jüdische Herkunft und bezeichnete sich als Katholikin. Im Wiener Melderegister wurde sie als „evangelisch AB“ (Augsburger Bekenntnis) geführt, dem ihr Vater angehangen hatte.

Fritzi übersiedelte mit ihrem frisch angetrauten Mann nach London, wo dieser im Familienunternehmen Mikimoto-Nishikawa tätig war. Fritzi war danach noch mindestens einmal in Wien, wo sie im August 1937 ihren Sohn Yoshikazu gebar. Im Jahre 1940 übersiedelte die Familie nach Japan und verbrachte dort die Kriegsjahre.

Mutter und Kind_cut

Unter der amerikanischen Besatzungsmacht war Fritzi Burger sehr populär und erhielt trotz extremen Strommangels eine kleine Kunsteisbahn, wo sie zur Erbauung der GIs ihre Pirouetten drehte. Sie erlernte auch das Tennisspiel und verkehrte im elitären Tennisclub mit prominenten Japanern und Ausländern. Ihre Ehe ging allerdings zu Bruch, und sie heiratete 1968 den Amerikaner Robert Russell, der für die Citibank in Tokyo arbeitete. Später übersiedelte das Paar in die USA in den Bundesstaat Maine. Auch Fritzis Sohn Yoshikazu wanderte in die Vereinigten Staaten aus und arbeitete dort als Architekt. Fritzi verstarb im Februar 1999.

Gerhard Krebs, *1943 in Warschau, studierte Germanistik, Geschichte und Japanisch in Hamburg, Freiburg/Br., Bonn und Tokyo. Promotion in Geschichte, Habilitation in Japanologie. Lehrtätigkeit an Universitäten in Tokyo, Freiburg/Br., Trier, Berlin. Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an Instituten in Tokyo und Potsdam.

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