OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 8. Juni 2011, 18:30-20:00 UhrProf. Dr. Tanehisa Otabe: „Die Kunst des alten Japan im Weltstrom.Zur Kulturphilosophie des frühen WaTsuji“

Letztes Jahr feierte man den 50. Todestag des japanischen Philosophen Tetsurō WaTsuji. Er wurde am 1. März 1889 in der Nähe von Himeji geboren und studierte von 1909 bis 1912 an der Universität Tokyo Philosophie. Von 1925 bis 1934 war er Professor an der Universität Kyoto und von 1934 bis 1949 hatte er den Lehrstuhl für Ethik an der Universität Tokyo inne. WaTsuji zählt zu den wichtigsten Philosophen des modernen Japan.

Sein Verhältnis zu Deutschland ist höchst bemerkenswert. Von 1927 bis 1928 hielt er sich in Berlin auf. In dieser Zeit erschien Heideggers epochemachende Schrift Sein und Zeit und WaTsuji begann sofort, sich mit Heidegger zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang müssen seine späteren Schriften aus den 30er und 40er Jahren, wie Ethik als Wissenschaft vom Menschen (1934), Fūdo – Wind und Erde. Der Zusammenhang zwischen Klima und Kultur (1935) und sein Hauptwerk Rinrigaku oder Ethik (3 Bde., 1937-49), verstanden werden.

Der Vortrag beschäftigt sich aber mit einer von WaTsujis Frühschriften, nämlich Pilgerschaft zu alten Tempeln von 1919. In diesem Buch hat WaTsuji seine persönlichen „Eindrücke“ auf seiner Reise nach Nara im Mai 1918 in essayistischer Form niedergeschrieben. Es hat dazu beigetragen, eine neue Ansicht von den buddhistischen Statuen zu verbreiten. Für WaTsuji waren diese nicht mehr als göttlich zu verehren und anzubeten, sondern geistesgeschichtlich zu betrachten oder sogar ästhetisch zu genießen. Manche Details des Textes sind gewiss veraltet, aber WaTsujis kulturtheoretische Einsichten sind noch aktuell. Im Vortrag geht es darum, welchen Beitrag Pilgerschaft zu alten Tempeln zur Kulturtheorie heute noch leisten kann.

Prof. Dr. Tanehisa Otabe ist seit 2007 Inhaber der Professur für Ästhetik an der Universität Tokyo. Seine Forschungsschwerpunkte sind Ästhetik und Kulturphilosophie. 2007 wurde ihm der Philipp Franz von Siebold-Preis verliehen. Wichtige Publikationen auf Deutsch umfassen Ästhetische Subjektivität. Romantik und Moderne (Würzburg 2005) und Kulturelle Identität und Selbstbild. Aufklärung und Moderne in Japan und Deutschland (Berlin 2011).