OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Montag, 19. Juni 2017, 10:00 - Sonntag, 25. Juni 2017, 17:00 UhrAusstellung: „Josef & Josef“

Dieter Josef: Austria IV, „Reformation – Rereformation
Dieter Josef: Austria IV, „Reformation – Rereformation“, Lithografie (Seki-han)
Horst Franz Josef, „Triflixx
Horst Franz Josef, „Triflixx“ 2011, painting 2017

Dieter Josef:
Lithographie als Botschaft

Auf seinen Reisen quer über den Globus hat Dieter Josef als gelernter Graphik-Designer immer die Kamera bei sich und dokumentiert ausführlich das bunte Leben der vielfältigen Kulturen. Da er sich als Kosmopolit versteht, sind auch seine druckgrafischen Arbeiten geprägt von den multikulturellen Einflüssen, sowohl im Thema als auch in den Techniken.

Thematisch arbeitet er gewissermaßen mit ethnologischen Schichtungen, indem er verschiedene Motive übereinander lagert und verfremdet und so poetische Mehrfachbilder erhält, die den Rahmen der einzelnen Kulturen überschreiten und in eine allgemeine Sphäre der kreativen Verständigung weisen. Die von ihm geschaffenen Lithographien sind Originalgraphiken in kleiner Auflage: sie verarbeiten Filme, die er händisch übermalt und auf Metallplatten kopiert, sie werden auch mit klassischen Lithosteinen zusammengedruckt, und überhaupt druckt er sehr viele Formen ineinander. Vielleicht ist das sein ganz persönlicher Ausdruck von kulturellen Überschneidungen, Überschichtungen und einer Weltanschauung, die sich für ihn nur mehr durch „mixed media printing“ darstellen läßt.
Die Technik der Lithographie ist zwar europäisch, aber er verwendet japanische Spezialpapiere als Bedruckstoff.
Studium in Österreich und Polen, von 1983 bis 1987 an der Geidai (University of Fine Arts and Music Tokyo) mit einem Monbushō-Stipendium für Druckgrafik. Einzelausstellungen und mehrfache Beteiligung an Druckgraphik-Triennalen in Europa, Asien, Amerika, Australien.

Horst Franz Josef:
Kunst als Fortsetzung des Lebens mit andern Mitteln

Nach drei Jahrzehnten des Architekten-Daseins bin ich vor 14 Jahren als Quereinsteiger und Nachberufener zur Malerei gekommen.
Es war ein Umsteigen vom dienstleistenden Architekten in einem sehr technisierten und ökonomisierten Umfeld, das ein Funktionieren nach dessen Regeln abverlangte, hin zum freien und befreienden Spiel mit Farben und Materialien auf Leinwand, um auf diese „einfache bis mystische“ Art und Weise bis dahin verborgene Bilderwelten ins Sichtbare zu bringen.

Diese entstehen keinesfalls aus dem Nichts, sondern aus der Leere, so wie Musik aus der Stille entsteht. Es ist dies eine mentale Leere, die auf die Leere der Leinwand trifft, aus einer schon fast naiven Haltung frei von spekulativen Absichten und vorbestimmten Ergebnissen.
Der Reiz dieser Vorgehensweise besteht für mich darin, nicht zu planen, was und wie ich es tue, um mich dann vom Malprozess leiten und mich vom Ergebnis um so mehr überraschen zu lassen – das Gegenteil zur Stringenz eines zielgerichteten Architektur-Prozesses. Auch der beginnt zunächst vor leerem Blatt, aber bereits ab dem ersten Strich einer genauen Regie und eindeutigen Absicht folgend.

Anders beim Malen: Am Anfang lasse ich auf der Leinwand ein Chaos aus Farben und Materialien entstehen, Regeln gibt’s da noch keine, aber Gesetzmäßigkeiten der Natur – bezogen auf Materialeigenschaften der gewählten Malmittel.
Meine Vorgehensweise ist es, diese Gesetzmäßigkeiten der Natur zu nutzen, nicht aber nach der Natur zu malen – oft auch unter Verwendung von vergammelten Fundstücken, die, in Anlehnung an die Gedankenwelt des japanischen Wabi-Sabi, die Ästhetik des Vergänglichen reinbringt.
In einem fließenden Übergang kommt das sogenannte „Geistige in der Kunst“ dazu, um das provozierte Chaos zu durchdringen und es in vielen Zwischenschritten mit einer wie auch immer gearteten Ordnung zu konfrontieren, hin zu einem sich stimmig anfühlenden Ausdruck.
Die Leinwand ist somit auch immer eine Projektionsfläche des eigenen Selbst. So entstehen ruhige oder dramatische, aufdringliche oder zurückhaltende Bilder, aggressive oder heitere. Immer auch mit dem Wagnis der Einblickfreigabe in sein Innerstes. Wie weit man dabei geht ist jedesmal neu zu entscheiden.
Auch als Betrachter.

Unsere persönlichen Anknüpfungspunkte
zu Japan und Tokyo:
‒ Dieter durch sein Studium und
mehrjährigen Aufenthalt in Tokyo,
‒ ich durch meine Beschäftigung seit
ca. 20 Jahren mit japanischer Kultur:
Zen, Haiku, Wabi-Sabi sowie durch den Studienaufenthalt meines Sohnes 2016 in Tokyo.
Und es bedeutet auch, dass sich in Tokyo unsere beiden künstlerischen Wege mit dieser
gemeinsamen Ausstellung erstmals kreuzen.

Kontakt:
Dieter Josef
PRINT STUDIO
Novomaticstr. 8
A-2352 Gumpoldskirchen
E-Mail:

Horst F. Josef
Wildapfelstr. 14
D-82024 Taufkirchen/München
E-Mail:
www.arkus7.de

Wann? Montag, den 19. Juni bis Sonntag, den 25. Juni 2017,
täglich von 10.00 bis 20.00 Uhr, am Sonntag bis 17.00 Uhr

Die Ausstellungseröffnung findet am Mittwoch, den 21. Juni nach dem
Vortrag um 20.00 Uhr bei einem kleinen Umtrunk im Foyer statt.

Die Ausstellung wird von den Bundesländern Oberösterreich und Niederösterreich,
vom österreichischen Kulturforum Tokyo und von der Deutschen Botschaft Tokyo gefördert.

Ausstellungsmacher: Renato A. Pirotta