OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 3. Juni 2020, 18:30-20:00 UhrOlympische Reihe, Teil 5. Dr. Nora Kottmann (DIJ): „Unity in Diversity: Die Olympische Vision im Kontext des Entstehens einer ‚Hyper-Solo-Gesellschaft‘“

„Mit wem werden Sie die Olympischen und Paralympischen Spiele ansehen?“
Dies ist der Titel eines Anfang 2018 online veröffentlichten Werbeclips der Stadt Tokyo mit dem erklärten Ziel „Individuen mit Heiratswunsch zu unterstützen und das Ansehen der Institution Heirat in der Gesamtgesellschaft zu stärken“. Den Hintergrund dieser und ähnlicher Aktivitäten zahlreicher öffentlicher, privater und kommerzieller Akteure stellen der demographische Wandel – allem voran das Sinken der Geburtenrate – sowie das Entstehen einer so genannten ‚Hyper-Solo-Gesellschaft‘ dar: Laut Experten werden bereits im Jahr 2035 die Hälfte aller japanischen Staatsbürger*innen ‚Single‘ sein.

Der Vortrag gibt einen Überblick über diese Entwicklung, beleuchtet aktuelle Gegenmaßnahmen und setzt diese in direkten Bezug zu einem der drei Leitbilder der offiziellen Vision der Olympischen Spiele: „Unity in Diversity“ (tayōsei to chōwa), ein friedliches Miteinander unabhängig von „Nationalität, Hautfarbe, […] Gender, sexueller Orientierung oder Status“. Hierzu wird die Geschichte des Diversitäts-Konzepts im japanischen Kontext nachgezeichnet, die Aufnahme als Leitbild der Olympischen Spiele untersucht und der gegenwärtige Status Quo im Kontext des Entstehens einer ‚Hyper-Solo-Gesellschaft‘ kritisch diskutiert. Anhand zahlreicher Fallbeispiele bietet der Vortrag so einen Einblick in (sich verändernde) Facetten der japanischen Gegenwartsgesellschaft und diskutiert den (möglichen) Einfluss der Olympischen und Paralympischen Spiele auf diesen Wandel.

Nora Kottmann, Japanologin und Soziologin, promovierte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und arbeitete dort von 2008 bis 2018 am Institut für Modernes Japan. Seit September 2018 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokyo. Ihre Forschungsgebiete umfassen u.a. Familien- und Beziehungsstrukturen, Intimität und Raum, mobile und multi-lokale Biographien, Diaspora-/Expat-Gemeinschaften und methodologische Fragestellungen.

Informationen zum Buch-Projekt des DIJ (Japan through the lens of the Tokyo Olympics) finden Sie hier:
Routledge flyer