Mittwoch, 17. Januar 2024, 18:30–20:00 Viktoria Blaschek: „Jahreszeiten im Kimono – Muster aus Blüten, Pflanzen und Landschaften als Spiegel und Botschaft der Natur“

Japanische Kultur ist tief verwoben mit den Jahreszeiten und deren Repräsentanten. Japanische Gärten beinhalten oft Areale, die einer Jahreszeit gewidmet sind, wie Kirschblütenhaine für den Beginn des Frühlings oder Hortensien-Gärten, die in der Regenzeit des frühen Sommers ihre Pracht entfalten. Motive auf Kunst- und Alltagsobjekten, wie Keramiken oder Bildrollen, bilden diese Motive inspiriert von Naturszenen ab und stehen oft symbolhaft für damit verbundene Bräuche und Geschichten.

Die japanische Kimono Kultur vereint tägliche Kleidung mit Symbolsprache. Heutzutage wird der Kimono von den meisten Japanerinnen und Japanern nur mehr zu besonderen Anlässen getragen, wie der Zeremonie zum Eintritt in das Erwachsenenalter, wo Mädchen und zum Teil auch Jungen prächtige farbenfrohe Kimono Ensembles zur Schau stellen oder Hochzeiten, wo die Mütter der Brautleute zum Teil mit ganzen Landschaften handbemalte Kimonos tragen. Noch bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts war der Kimono tägliche Kleidung. In vielen Familien werden noch heute Kimonos von Generation zu Generation weitergegeben, ebenso wie die damit verbundenen Traditionen und Symbole.

IMG_20230928_203956_424-COLLAGE_cut

Dieser Vortrag führt Sie durch ein Jahr im Kimono. Die Wahl eines Kimonos Ensembles, bestehend aus dem Obi-Gürtel sowie verschiedenen Tüchern und Schnüren kann von unterschiedlichsten Motiven beeinflusst werden: das Andeuten von Jahreszeiten, auf die man sich freut, Wetterwechsel, die man herbeisehnt oder symbolkräftige Muster für anstehende Ereignisse. Im Wind wiegende Trauerweidenzweige im Sommer, um den Betrachtern Kühle zu vermitteln oder Pflaumenblüten im Winter als Hoffnung, dass der nächste Frühling kommen möge. Kimonomuster zeigen Wertschätzung der Schönheit und Kraft der wechselnden Natur. In der japanischen Kultur, wo vieles oft unausgesprochen bleibt, stellen Kimonos eine eigene Form der Kommunikation dar.

IMG_20231026_162122

Viktoria Blaschek ist Forschungsstudentin an der Universität Tokyo. Ihre Leidenschaft für Kimono hat sie bei ihrem ersten Aufenthalt in Japan vor vier Jahren entdeckt. Als Hobbyschneiderin interessierte sie sich zunächst vor allem für die außergewöhnlich schönen Stoffe und Muster. Auf Flohmärkten in Kyoto und Osaka lernte sie mehr über die verschiedenen Arten von Kimonos, wie man sie trägt und was die Muster bedeuten können. Als studierte Landschaftsarchitektin, mit einem nicht zu sättigenden Interesse an Botanik, hat sie sich in die Pflanzendarstellungen auf Kimonos verliebt und strebt nun danach, ihr Wissen zu vermehren und es weiterzugeben.

Video-Mitschnitt