OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 15. Mai 2019, 18:30-20:00 UhrRegine Dieth: „Mutterhausdiakonie in Japan – Geschichte und Gegenwart protestantischer deutsch-japanischer Frauengemeinschaften“

Deutsche und japanische Diakonissen in Tokyo 1954

Der Vortrag behandelt die Entstehungsgeschichte der protestantischen Frauendiakonie in Japan in den 1950er Jahren und zeichnet deren Entwicklung bis in die Gegenwart nach. Es werden die gesellschaftlichen und missionsgeschichtlichen Rahmenbedingungen, die die Etablierung von Mutterhäusern deutschen Ursprungs als Lebens-, Arbeits- und Glaubensgemeinschaften von Frauen förderten und ermöglichten, erörtert.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden in Japan Schwestern aus verschiedenen deutschen diakonischen Organisationen an drei Standorten mit unterschiedlichem Auftrag tätig. Gemeinsam mit den von ihnen ausgebildeten japanischen Diakonissen betreuten sie in Tokyo ehemalige Prostituierte, in Hamamatsu bildeten sie in erster Linie Krankenschwestern aus, und in Kobe, wo die Schwestern noch im aktiven Dienst stehen, liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf missionarischen und seelsorgerischen Aufgaben.

Den Diakonissen bot (und bietet) das Mutterhaus-Modell ein Leben in der verbindlichen Gemeinschaft christlich gläubiger Frauen, in der sie eine berufliche Tätigkeit im Bereich der sozialen Fürsorge und der Mission ausüben konnten und gleichzeitig sozial abgesichert waren. Dieses Lebens- und Berufsmodell konnte sich zwar in der japanischen Gesellschaft und in der Krankenpflege u.a. aufgrund fehlender diakonischer Strukturen und des Mangels an Nachwuchs nicht langfristig etablieren. Die Frauen leisteten jedoch einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung der christlich basierten Kranken- und Altenpflege sowie Sozialarbeit in Japan und fungierten in protestantischen Kreisen als wichtige interkulturelle Vermittlerinnen.

Regine Dieth, Studium der Japanologie, Sinologie und Kunstgeschichte an der FU Berlin und der Kyoto University (M.A.). Von 1996 bis 2010 für verschiedene deutsche und japanische Organisationen tätig, u.a. JETRO, NRW Japan K.K. und die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan. Von 2010 bis 2015 Leiterin des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses Tokyo. Seit 2015 Assistant Professor an der Doshisha University in Kyoto.