Vorträge
Mittwoch, 11. Juni 2025, 18:30–20:00 Prof. Dr. Eun-Jeung Lee: „Auf der Suche nach der Identität Koreas“
Im Mittelpunkt des Vortrages stehen die historischen und gegenwärtigen Diskurse über die Selbstbehauptung und Identitätskonstruktion Koreas. Es wird ein Versuch unternommen, zu zeigen, wie sich die koreanische Selbstwahrnehmung von einer selbstgewählten Peripherie – zunächst gegenüber China, später gegenüber dem Westen – hin zu einem Diskurs der kulturellen Zentralität entwickelt hat. Dabei werden drei dominante Identitätsdiskurse identifiziert:
- Korea als „Land der Sitte/Höflichkeit“ (tongbangyeŭijiguk) bzw. „Land der Edlen“ (kunjaguk), das sich in Anlehnung an die konfuzianische Ordnung unter chinesischer Hegemonie definierte;
- Korea als „entwickeltes Industrieland“ (sŏnjin’guk), das sich an westlichen
Modernitätsvorstellungen orientiert; und - Korea als „Weltkulturmacht“, verkörpert durch den internationalen Erfolg
der koreanischen Populärkultur (Hallyu).
Diese Diskurse existieren nicht isoliert nebeneinander. Sie sind historisch gewachsen und haben sich in unterschiedlichen politischen, sozialen und kulturellen Kontexten ihre Wirkmächtigkeit entfaltet. Trotz der wirtschaftlichen Erfolge und des gewachsenen nationalen Selbstbewusstseins bleiben in den heutigen Selbstwahrnehmungsdiskursen Spuren der historischen Selbstperipherisierung erkennbar.

Prof. Dr. Eun-Jeung Lee ist die Direktorin des Instituts für Koreastudien an der Freien Universität Berlin sowie Direktorin der Graduate School of East Asian Studies in Berlin. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der interkulturellen Ideengeschichte, Politik und Kultur Koreas sowie politische Theorie. Sie ist Mitglied der Akademie der Künste und Wissenschaften Berlin-Brandenburg (ehemals Königlich-Preußische Akademie) sowie der Academia Europaea. Von 2014 bis 2017 war Prof. Lee Mitglied des Deutsch-Koreanischen Beratungsgremiums für Außen- und Wiedervereinigungspolitik und ist seit 2020 Mitglied des Deutsch-Koreanischen Konsultationskomitees für Wiedervereinigung. Sie war Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Halle (1994–1995), Stipendiatin des Landes Sachsen-Anhalt (1997–1999) sowie Stipendiatin der Japan Foundation an der Aoyama Gakuin University in Tokio (2001–2002). Im Jahr 2019 wurde Prof. Lee von der südkoreanischen Regierung mit dem Orden für Zivilverdienste (Moran-Medaille) für ihre Verdienste im Bereich Friedens- und Wiedervereinigungsforschung ausgezeichnet.
2024 veröffentlichte sie Ambivalente Identität und Kultur. Südkoreanische Gesellschaft im 21. Jahrhundert im Iudicium-Verlag.
ACHTUNG: Dieser Vortrag findet NUR ONLINE PER ZOOM statt.





