OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 21. April 2010, 19:00-20:30 UhrElke Hayashi:„Nonverbales Verhalten in Japan“

Photo Event

Achtung! Diese Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr!

Diese Ausführungen sollen es leisten, das nonverbale System und seine Funktionen innerhalb der japanischen Gesellschaft für von außen Hinzugekommene verständlich darzulegen und für das japanische nonverbale Verhalten zu sensibilisieren. Denn der Lernprozess, den die japanischen Kinder auch bezüglich des nonverbalen Verhaltens durchlaufen, bleibt den nicht japanischen Mitgliedern innerhalb der japanischen Gesellschaft weitestgehend verborgen. Insbesondere denen, die erst als Erwachsene ins Land kommen, möglich sogar ohne verbale Sprachkenntnisse im Japanischen und in der Regel auch als „Analphabeten“, also der japanischen Schriftsprache nicht mächtig.

Japaner bezeichnen ihre Gesellschaft gerne als „homogen“ oder „geschlossen“. Bezieht man diese Begriffe auf das nonverbale Verhalten, so könnte man kaum treffendere Ausdrücke finden. Denn nonverbales Verhalten, davon geht auch die japanische Erziehung gegenüber japanischen Kindern aus, ist etwas, was man intuitiv zu erfassen hat, was nicht Gegenstand der verbalen Erziehung sein darf. Somit werden japanische Kinder rund um die Uhr mit derartigem nonverbalen Verhalten konfrontiert und beginnen eines Tages, nicht nur die Existenz dieser Form der Alltagssprache wahrzunehmen, sondern sie auch selbst anzuwenden. Dies ist eine absolute Notwendigkeit für den reibungslosen Ablauf innerhalb des japanischen Kommunikationsgeschehens. Denn die japanische Enkulturation, also die Erziehung durch Eltern, Schule, übrige Gesellschaft, gebietet strickte Zurückhaltung beim Gebrauch des gesprochenen Wortes. Floskelhaftigkeit, Schweigen, „höfliche“ Zurückhaltung sind einige Stichworte, die hierzu angeführt werden können. Und so muss bei Unmutsäußerungen und allen Äußerungen, die nicht verbal getan werden dürfen, auf nonverbales Verhalten zurückgegriffen werden. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit. Beherzigt das Individuum dies nicht, wird es einem Instanzensystem anheimgestellt, an dessen Ende möglicherweise der Ausschluss aus der Gesellschaft steht. Da es sich bei diesem, einem richterlichen Urteil gleichen, Beschluss jedoch um eine Aufforderung handelt, die dem geschreibenen Gesetz zuwiderläuft, bedienen auch alle an diesem Urteil Beteiligten sich des nonverbalen Systems.

Elke Hayashi, Dipl. Übersetzerin 1. Sprache Japanisch, Promotion in Kulturwissenschaften/Japanologie, seit 2003 Lektorin für Deutsch an der Sophia Universität in Tokyo, beschäftigt sich mit diversen Japan bezogenen Themen, z.B. vergleichende Sprachwissenschaften, Tagelöhnerwesen in Tokyo, Schrifterwerb oder nonverbales Verhalten. Jüngste Monographie zum nonverbalen Verhalten in Japan: „Ehrfürchtiges Staunen“, Bonn (Bier’sche Verlagsanstalt) 2009.

Mit der Nutzung unserer Dienste sowie dem Klicken des „OK“ Buttons erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen und verwenden. Weiterlesen …