OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 27. Januar 2016, 18:30-20:00 UhrDr. Gerhard Krebs: „Hitlers Pläne für die Umgestaltung der Reichshauptstadt und der Bau der japanischen Botschaft“

In der Berliner Tiergartenstraße wurde 1938-1942 ein neues, reichlich pompöses Gebäude für die japanische Botschaft errichtet.

Botschaft_Aussen

Bei der Entstehungsgeschichte muss man sich zunächst einmal klarmachen, wo die Ursprünge des Ausbaus zu einem Diplomatenviertel in der Tiergartenstraße lagen. Die Idee hatte ihre Wurzel in Hitlers Plan für die Umgestaltung der Reichshauptstadt Berlin zur sog. „Welthauptstadt Germania“, abzuschließen etwa im Jahre 1950. Seinem Konzept zufolge sollten zwei riesige breite schnurgerade verlaufende Straßen angelegt werden, die Ost-West-Achse und die Nord-Süd-Achse mit einer Schnittstelle knapp westlich des Brandenburger Tores.

Mit der Durchführung der Umkrempelung Berlins wurde Hitlers Lieblingsarchitekt Albert Speer beauftragt, der am 1. Januar 1937 zum „Generalbauinspektor für die Umgestaltung der Reichshauptstadt“ ernannt wurde. Während die Ost-West-Achse zum großen Teil verwirklicht wurde – vom Brandenburger Tor bis Charlottenburg – blieben die Arbeiten an der Nord-Süd-Achse unvollendet, da ganze Stadtteile hätten abgerissen werden müssen und schließlich der Kriegsausbruch 1939 weitgehend zum Stillstand führte.

Botschaft_Innen

Die Idee zum Um- und Ausbau des Tiergartengebietes zum Diplomatenviertel war nicht ursprünglicher Bestandteil der Neugestaltungsplanung, sondern ihre unmittelbare Folge. Mit gewissen Vorbereitungen für die Nord-Süd-Achse wurde begonnen, und da für die geplanten Abrissarbeiten auch diplomatische und konsularische Vertretungen betroffen waren, musste für Ersatz gesorgt werden, so auch für die Residenz der japanischen Botschaft Tiergartenstr. 3.

Ein zweiter Grund für den Neubau diplomatischer Vertretungen war das Bestreben, die Einrichtungen eines jeden Landes möglichst unter einem Dach zu vereinigen, was bis dahin nicht immer Realität war, so auch im Falle Japans. Verwirklicht wurden kriegsbedingt nicht alle Pläne, aber die Botschaften der verbündeten Mächte Italien und Japan besaßen Vorrang und konnten 1941 bzw. 1942 eingeweiht werden. Für Japan waren ursprünglich die Grundstücke Tiergartenstraße 26, 26a, 27 vorgesehen, dann aber fügte man noch die 25 hinzu. Das Gebäude Nr. 24 zwischen der japanischen und italienischen Botschaft wurde für das französische Generalkonsulat vorgesehen, war aber bis zum Kriegsausbruch 1939 noch nicht bezugsfertig und ging 1942 zusätzlich an Japan über.

Botschaft_zersoert

Ab 1943 beschädigten alliierte Luftangriffe das Botschaftsgebäude schwer. Ende der 1980er Jahre begann der Wiederaufbau der Ruine, damit darin die Stiftung Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin eine Heimstatt fand. Das Gebäude wurde nach der deutschen Wiedervereinigung erneut zur japanischen Botschaft, so dass das Japanisch-Deutsche Zentrum nach Zehlendorf umziehen musste.

Gerhard Krebs, *1943 in Warschau, studierte Germanistik, Geschichte und Japanisch in Hamburg, Freiburg/Br., Bonn und Tokyo. Promotion in Geschichte, Habilitation in Japanologie. Lehrtätigkeit an Universitäten in Tokyo, Freiburg/Br., Trier, Berlin. Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an Instituten in Tokyo und Potsdam.

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