OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 15. März 2023, 18:30-20:00 UhrDr. Annegret Bergmann: „Zeitgeist und Tee-Ästhetik in der Momoyama-Zeit am Beispiel koreanischer Teeschalen“

Die „koreanischen Teeschalen“ oder Kōrai chawan, wurden vom 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts in Südkorea in der Region um die heutige Hafenstadt Busan zum Teil ausschließlich für den japanischen Markt gefertigt. Ihr Aufstieg in der Wertschätzung der Teemeister begann in der von internationalem Austausch und vielfältigen Neurungen in Kunst und Kultur geprägten Momoyama-Zeit (1573–1615). Die Praxis der rituellen Wertschätzung von Kunst, oft als Teezeremonie bezeichnet, umfasste in dieser Zeit weniger eine einheitliche Ästhetik als vielmehr die Suche nach Innovation, Extravaganz und Vielfalt. Die Ästhetik der Kōrai chawan verkörpern diesen Trend. Ferner galten und gelten die Ido-Schalen unter den Kōrai chawan als ideale Verkörperung der wabi-Ästhetik der Teezeremonie.

Neben einem Überblick über die Geschichte und Kategorien der Kōrai chawan befasst sich der Vortrag vor allem mit den extravaganten Goshomaru- und noch viele Rätsel aufgebenden Kinkai-Schalen und geht auch der Frage nach, welchen Einfluss kulturelle Autoritäten wie die Teemeister Sen no Rikyū (1522–1591) und Furuta Oribe (1544–1615) auf Aussehen und ihre Verwendung ausübten.

Dr. Annegret Bergmann ist Visiting Associate Professor an der University of Tokyo, Cultural Resource Studies. Sie hat Japanologie, Orientalische Kunstgeschichte und Sinologie in Bonn und an der Waseda Universität studiert und an der Universität Trier zum Nationaltheater in Japan promoviert. Insgesamt hat sie mehr als zwanzig Jahre in Japan verbracht. Ihr Forschungsinteresse gilt dem japanischen Theater, mit dem Fokus auf dessen Produktionsgeschichte sowie der Kunst, insbesondere der Keramik, der Momoyama-Zeit.