Mittwoch, 5. Juni 1996, 18:30–20:00 Robert F. Wittkamp “Santōka: Wandern – Haiku – Sake”

Seit den siebziger Jahren wurde in der Haiku-Welt Japans eine Persönlichkeit immer bekannter, deren Popularität bis in die neunziger Jahre so anstieg, daß man von einem Boom sprechen kann. Es handelt sich um den Dichter Taneda Santōka (1882-1940). Santōka war der bedeutendste Vertreter einer Haiku-­Schule, die bestimmte Regeln der Haiku-Dichtung verwarf und Haiku in der freien Form dichtete. Ein obligates Jahreszeitenwort (kigo) sowie die Form von 17 Silben im 5-7-5-Rhythmus waren nicht von Bedeutung. Wert wurde auf die beiden Faktoren Glanz (hikari) und Kraft (chikara) gelegt. Die Schule selbst verschwand bald wieder, aber ihr Einfluß auf die moderne Haiku-Dichtung ist unverkennbar.

Durch Darstellung von Person und Dichtung Santōkas sollen einige Aspekte der japanischen Haiku-Dichtung, die im deutschsprachigen Raum relativ unbekannt sind, sowie mögliche Konsequenzen für Übertragungen in die deutsche Sprache aufgezeigt werden.

Robert F. Wittkamp hat Japanologie, Sinologie und Ethnologie studiert. Schon in seinem Studium beschäftigte er sich intensiv mit Haiku-Dichtung. Neben eigenen Übersetzungsversuchen von Santōkas Versen befaßt er sich vor allem mit der modernen Haiku-Geschichte Japans sowie mit Übertragungen von Haiku in die deutsche Sprache, wobei es dabei hauptsächlich um Übersetzungs­techniken geht.