OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 7. September 2016, 18:30-20:00 UhrMorimatsu Seji: „Ein Blick hinter die Kulissen: Kormoran-Fischerei in Japan“

Die Kormoran-Fischerei gab es früher in vielen Ländern, heute wird sie eigentlich nur noch in Japan und China praktiziert. Ukai (u = Kormoran, kai = Tiere halten, fischen) blickt in Japan auf eine mehr als 1.300jährige Geschichte zurück. In mondlosen Nächten fahren die Fischer mit je einem Dutzend oder mehr zahmen Kormoranen auf Flüssen und lassen die Tiere, denen ein Ring um den Hals gelegt wurde, an dem eine Schnur befestigt ist, Fische fangen, die von den Feuern auf den Booten angelockt werden. Der Fischer zieht dem Kormoran dann den Fisch aus dem Schlund und weiter geht es mit dem „Fischen“.

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An elf Orten wird in Japan heute noch Kormoran-Fischerei betrieben ‒ die beiden berühmtesten sind wohl Nagara/Stadt Gifu und Oze/Stadt Seki am Nagaragawa. Am 2. März 2015 wurde die Technik des Nagaragawa-Ukai als Wichtiges Immaterielles Volkskulturgut in Japan registriert, und derzeit gibt es Bestrebungen, die Kormoran-Fischerei auch als Immaterielles Kulturgut der UNESCO anerkennen zu lassen.
In dem Vortrag wird anhand von reichlichem Bildmaterial gezeigt, wie die Kormorane gehalten werden, wie die Ausbildung der Fischer verläuft, was das Besondere an Ukai ist und wie man es als Beobachter am besten genießt.

Von so großem Reiz ‒
und endlich traurig stimmend,
die Kormoranboote!

(Aus: Matsuo Bashō: HAIBUN. Herausgegeben und aus dem Japan. übertragen von Ekkehard May. S. 157.
Das Buch kann in der Bibliothek unter der Signatur 911.2 BAS entliehen werden.)

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Morimatsu Seiji arbeitet hauptberuflich als Direktor bei der Consulting Agentur Ernst & Young und beschäftigt sich in seiner Freitzeit schon seit vielen Jahren intensiv mit Kormoran-Fischerei und hat 9 der 11 Orte in Japan, an denen noch auf diese Weise gefischt wird, besucht. Er hat sich zum Ziel gesetzt, eine umfassende Bestandsaufnahme dieser Form der Fischerei zu machen, da es nur wenig Material dazu gibt und diese Zunft vom Aussterben bedroht ist. In Gesprächen mit Fischern erführt er viel über ihre Lebensumstände, über ihre Techniken und den Umgang mit den Kormoranen. Sein Wunsch ist es, diese Form der Fischerei unter Japanern aber auch Ausländern wieder bekannter zu machen.
Der Vortrag findet auf Japanisch und Englisch statt und wird bei Bedarf ins Deutsche übersetzt. Am 24./25.9. bietet er eine Exkursion nach Gifu an. Nähere Informationen finden Sie in Kürze hier.

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