OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 10. November 2010, 18:30-20:00 UhrVortrag Hiromi Tanaka-Naji: „Heirat und Arbeit für Frauen im gegenwärtigen Japan“

Japan befindet sich in einem ähnlichen demographischen Wandel wie Deutschland. Der Anteil jüngerer Menschen nimmt ab, während der älterer Menschen zunimmt. Eine direkte Ursache für die Änderung der demographischen Struktur ist, dass Japaner (und Deutsche) sich „nicht genug“ reproduzieren. Die Fertilitätsrate war 1.37 im Jahr 2008. Das ist niedriger als 2.1, die Rate, die statistisch gesehen für ein vorübergehendes Bevölkerungswachstum nötig ist. In Japan gibt es zwei Faktoren, die zum Geburtenrückgang beitragen: Die Reduzierung der Kinderzahl bei Ehepaaren und der Trend zur Verschiebung der Ehe oder sogar des Nicht-Heiratens. Insbesondere die letztere Entwicklung beschleunigt den Geburtenrückgang, denn in Japan werden sehr wenige Kinder geboren, deren Eltern nicht verheiratet sind.
In diesem Vortrag zeichne ich das Phänomen des ‚Ehe-Rückgangs‘ im gegen-wärtigen Japan mit dem Fokus auf eine Gruppe der Bevölkerung ab, die zu diesem Phänomen besonders beiträgt: ledige berufstätige Frauen. Die Lebensläufe von Frauen haben sich seit den letzten drei bis vier Jahren dramatisch geändert. Diese Änderung fand parallel mit der Erweiterung der Bildungs- und Berufschancen für Frauen statt; und Frauen werden oft als Träger dieses Wandels gesehen. Im Vortrag gebe ich einen Überblick über die allgemeine Tendenz des ‚Ehe-Rückgangs‘ sowie über öffentliche Diskurse zu ledigen Frauen in Vergangenheit und Gegenwart. Außerdem diskutiere ich, wie diese Frauen, die trotz ihres Alters nicht heiraten und weiter arbeiten, ihr Leben als ledige Frauen selber wahrnehmen und welche Vorstellungen zu Heirat und Familie sie haben. In der Diskussion beziehe ich mich auch auf eine eigene empirische Studie zu ledigen berufstätigen Frauen in Tokyo.

Hiromi Tanaka-Naji promovierte an der Ruhr-Universität Bochum. Sie ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ), wo sie Forschungsprojekte zum Wandel japanischer Lebensläufe und zur politischen Partizipation und Glück leitet. Außerdem war und ist sie als Dozentin an verschiedenen Universitäten in Japan und Deutschland tätig.